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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Krankheiten (Allgemein)
ingoborm Offline

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Beiträge: 937

13.12.2005 10:56
Ernährung bei ALS antworten


Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine chronische Erkrankung im oberen Teil des Rückenmarkes. Die damit einhergehende Lähmung der Zungen- und Schlundmuskulatur führt oft zu Kau- und Schluckstörungen und muss in der Ernährung besonders berücksichtigt werden.
Die Ernährung ist neben der energetischen auch die stoffliche Grundlage aller Lebensvorgänge. Zugeführte Energie und Baustoffe durch eine ausgewogene Ernährung gewährleisten die chemische Arbeit (Biosynthese), die osmotisehe Arbeit (Transportarbeit) und die mechanische Arbeit (Muskelkontraktionen) im Organismus.

Mineralien, Nahrstoffe und Elektrolyte
Die mechanische Arbeit leistet das Nervensystem mit der Reizübertragung von den Nervenendigungen (Synapsen) über die Zellmernbran in die Muskelzellen. Kalium ist der wichtigste Mineralstoff, der hierfür innerhalb der Nervenzellen vorhanden sein muss. Außerhalb der Nervenzelle benötigt der Vorgang vermehrt Natrium. Dieses Ungleichgewicht der Mineralstoffverteilung innerhalb und außerhalb der Zellen ist Voraussetzung für die reibungslose Reizleitung und Muskelkontraktion am Erfolgsorgan. Eine zu geringe Kaliumzufuhr, die vermehrte Aufnahme kaliumarmer Lebensmittel, aber auch ein hoher Flüssigkeitsverlust führen zu einem Mangel des intrazellulären Kaliumspiegels. Als Folgeerscheinung tritt die gestörte Reizübertragung an den Muskelzellen auf, welche sich in einer Muskelschwäche bis hin zur Muskellähmung äußern kann.

Magnesium ist der zweitwichtigste Mineralstoff in den Zellen und findet sich in hohen Mengen im Gehirn und im Nervensystem. Magnesium stabilisiert die biologischen Membranen und erhält deren Permeabilität. Es steuert die zelluläre Erregbarkeit und ist an allen Muskelkontraktionen beteiligt. Bei verringerter Zufuhr sinkt der Magnesiumspiegel im Plasma sehr schnell ab, da es nur langsam aus dem Skelett freigesetzt wird. Als Folge kann ein gestörtes lonengleichgewicht innerhalb und außerhalb der Zellen ausgelöst werden, welches eine Störung bei der Reizübertragung in den Nervenzellen und damit in der Muskelfunktion nach sich zieht.
Starkes Schwitzen, vermehrte Urinauscheidungen aufgrund von Diuretika, (Substanzen, zur Behandlung des Bluthochdrucks, der Bauchwassersucht, etc.)
Stress- und Belastungssituationen können schnell zu einem Magnesiummangel führen.

Vitamin E ist Bestandteil aller biologischer Membranen und damit an der Reizübertragung beteiligt. Eine wichtige Aufgabe dieses Vitamins ist, die Zellmembran vor einer Zerstörung durch aggressive Teilchen, die im Stoffwechsel entstehen, sogenannte "Freie Radikale", zu schützen. Blutfettsenkende Arzneimittel und Abführmittel verringern die Vitamin E Aufnahme im Darm.
Studien im In- und Ausland haben gezeigt, dass es bei einer regelmäßigen Einnahme von 5 000 mg Vitamin E am Tag bei vielen Erkrankten zu einem Stillstand der Erkrankung, das heißt, einem unveränderten Befund für mindestens ein Jahr, kommt.

Pflege
Weitere Aufgaben der Nährstoffe
Die aufgenommenen Nährstoffe wirken sich nicht nur auf die Nerven und Muskeltätigkeit aus, sondern auch auf die Atemfunktion. Stoffwechselabbauprodukte verlassen über die Lunge mit der Ausatmung den Körper, Sauerstoff wird mit der Einatmung aufgenommen.
Beim Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen wird Sauerstoff verbraucht und es entstehen als Abbauprodukte Kohlendioxid, Harnstoff und Wasser, welche ausgeschieden werden müssen.
Ein vermehrter Sauerstoffverbrauch findet auch beim Fettstoffwechsel statt. Der benötigte Anteil liegt hier höher als der bei der Kohlenhydratverbrennung. Daher sollte der Fettanteil 30 Prozent der Tageskalorienzufuhr nicht überschreiten.

Kohlehydrate sind die wichtigsten Energielieferanten für die Muskeln. Da der Kohlenhydratstoffwechsel jedoch zu einem erhöhten Anfall von Kohlendioxyd führt, der über die Lungen ausgeschieden werden muss, sollte die Zufuhr von Kohlenhydraten 60 Prozent der täglichen Energiegesamtzufuhr nicht überschreiten.

Eiweiße stellen das wichtigste Baumaterial im Körper dar. Alle Zellen, Muskeln und Organe bestehen aus Eiweiß. Auch Enzyme und Abwehrstoffe sind Eiweißverbindungen. Eine angemessene Eiweißzufuhr sorgt für die Aufrechterhaltung der Muskelfunktionen in der Lunge und sollte 15 Prozent der Tageskalorien betragen.

Wichtig für die Aternfunktion ist auch das Vitamin A. Dieses Vitamin reguliert sowohl das Wachstum als auch die Funktion der Atemwegsschleimhäute. Ein Mangel führt zum Verlust von flimmerhärchentragenden Zellen, während die Anzahl der schleimbildenden Zellen zunimmt. Die Reinigungsfähigkeit der Lunge ist herabgesetzt und die Infektionsanfälligkeit steigt.

Dieser Zusammenhang ist für die Pflege eines ALS- Betroffenen, der in seinen Aktivitäten durch die Lähmungserscheinungen eingeschränkt ist, von großer prophylaktischer Bedeutung.

Der Nährstoffgehalt unserer Nahrungsmittel
Alle aufgeführten Nährstoffe sind Bestandteil unserer Nahrungsmittel. Durch die industrielle Bearbeitung von Lebensmitteln sinkt jedoch der Kaliumgehalt. Kaliumarme Nahrungsmittel sind alle Weißmehlprodukte, Dosengemüse und -obst.

Der Natriumgehalt in Nahrungsmitteln ist häufig hoch. Dieses liegt jedoch an der oft zu hohen Zufuhr von Natrium in Form von Koch-- beziehungsweise Speisesalz während oder nach der Zubereitung.
Längeres Kochen von Lebensmitteln zerstört zum großen Teil Vitamin A. Bei fettarmer Kost, Leberschäden und einem Mangel an Gallensäure ist die Resorption dieses Vitamins verringert.
Für die Ernährung eines ALS- Betroffenen sollten die genannten Informationen mit berücksichtigt werden.

Die Bedeutung der abwechslungsreichen Ernährung
Ziel der Ernährung eines ALS- Betroffenen ist, Unterernährung und Nährstoffmangel zu verhindern. Da die Nahrungsaufnahme durch Kau- und Schluckstörungen erschwert sein kann, muss besonders darauf geachtet werden, dass die aufgenommenen Lebensmittel nicht nur Kalorien liefern, sondern auch reich an essentiellen Nährstoffen sind. Die Grundlage einer ausgewogenen Ernährung sind Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße im richtigen Verhältnis. Von den kohlenhydratreichen Lebensmitteln sind die so genannten komplexen Kohlenhydrate besonders wertvoll, die zum Beispiel Stärke liefern. Diese werden vom Körper langsamer verwertet als Haushalts- und Traubenzucker, haben einen besseren Sättigungswert und stellen dem Organismus über einen längeren Zeitraum Energie zur Verfügung. Lebensmittel, die neben komplexen Kohlenhydraten auch Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe enthalten, sind sehr gut geeignet für die Nahrungszusammenstellung. Vollkornbackwaren, Kartoffeln, Vollkornreis und Vollkornteigwaren, Haferflocken, Hülsenfrüchte und Obst sollten in ausgewogenem Verhältnis angeboten werden.

Um aus dem Eiweiß der Nahrung körpereigene Substanzen herstellen zu können, ist der Organismus auf die Zufuhr von 20 Aminosäuren angewiesen. Sechs dieser Aminosäuren können im Körper nicht synthetisiert werden und sind unentbehrliche Nahrungsbestandteile. Der Wert eines Nahrungsmittels für die menschliche Ernährung hängt unter anderem davon ab, wie viele und welche Aminosäuren in dem jeweiligen Nahrungseiweiß enthalten sind. Besonders gut kann das Eiweiß von Milch und Milchprodukten, Eiern, Fleisch und Fisch verwertet werden. Die wichtigsten pflanzlichen Eiweißlieferanten sind Kartoffeln und Hülsenfrüchte. Aber auch das in Getreideprodukten, Avocado und Erdnüssen enthaltene Eiweiß ist wertvoll.

Durch Kombination hochwertiger Lebensmittel, die sich in ihrem Aminosäuregehalt ergänzen, kann eine bedarfsdeckende Eiweißversorgung erreicht werden. Pflanzliches und tierisches Eiweiß sollten gleichzeitig und in etwa gleicher Menge gegessen werden. Fleisch kann gegessen werden, muss aber nicht.

Fette sind Energieträger und liefern zusätzlich die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K.

Naturbelassene Fette, wie kaltgepresste Öle und daraus hergestellte ungehärtete Margarinen und Butter sind den gehärteten Margarinen, raffinierten Speiseölen und Plattenfetten vorzuziehen. Butter, Milch und Milchprodukte enthalten nicht nur ein sehr bekömmliches Fett, sondern sind auch wichtige Vitamin A-Lieferanten. Der Tagesbedarf eines Erwachsenen liegt bei 1 mg Vitamin A und wird zum Beispiel durch 200 g Thunfisch gedeckt. Auch Hering und Aal sind gute Vitamin A-Quellen. Vitamin A kann auch aus der Vorstufe BetaCarotin gebildet werden. Beta-Carotin ist immer pflanzlicher Herkunft und kommt in roten, gelben und grünen Pflanzen vor, zum Beispiel in Aprikosen, Nektarinen, Möhren, Kirschen, Tomaten, Broccoli, Grünkohl, Spinat und Salat. Die Umwandlung von Beta-Carotin in Vitamin A erfolgt nur, wenn gleichzeitig etwas Fett aufgenommen wird. Das kann in Form von Butterflöckchen auf dem Gemüse oder mit Brühe, aber auch in Form eines Butterbrotes oder eines Glases Milch zur rohen Wurzel geschehen. Auch aus einem Wurzel-Rohkost-Salat mit Essig-Öl-Marinade oder Joghurtdressing ist das Beta-Carotin nutzbar.

Kaltgepresste Diestel-, Traubenkern-, Sonnenblumen- und Olivenöle sind reich an Vitamin E. Das Pflanzenöl mit dem höchsten Vitamin E-Gehalt ist Weizenkeimöl.

Weitere Vitamin E-Quellen sind Pflanzensamen, wie Sonnenblumenkerne, Sesam, Mohn, Leinsamen und Nüsse, aber auch Vollkornprodukte, Haferflocken ' Ei und grünes Gemüse. Kalium ist in Obst und Gemüse enthalten. Besonders kaliumreich sind Kartoffeln, Vollkornerzeugnisse, Hülsenfrüchte, aber auch Bananen und Trockenfrüchte. Da Kalium beim Kochen zu einem großen Teil ins Wasser übergeht, ist es ratsam, das Kochwasser bei der Speisenzubereitung mit zu verwenden. Die Einnahme von Medikamenten, zum Beispiel Diuretika, können den Bedarf stark erhöhen.

Nur wenige Lebensmittel enthalten Magnesium in größerer Menge. Nüsse, Haferflocken, Weizenkeime, Sonnenblumenkerne und Getreidevollkornprodukte sind die wichtigsten Magnesiumquellen. Auch Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Beerenobst, Milch, Milchprodukte und Fisch tragen zur Magnesiumversorgung bei.

Ernährung eines Betroffenen mit Schluckstörungen
Bei der bulbären Verlaufsform der ALS ist die Muskulatur, die von den Hirnnerven versorgt wird, gestört. Durch die Funktionsbeeinträchtigung der Zungen-, Schlund- und Kaumuskulatur kommt es zu Kau- und Schluckstörungen. Nicht nur feste, sondern auch dünnflüssige Nahrung bereitet den Betroffenen oftmals Schwierigkeiten. Am besten können Lebensmittel mit breiiger oder zähflüssiger Konsistenz geschluckt werden. Gerade bei dieser Form der Erkrankung ist es wichtig, darauf zu achten, dass der Speiseplan abwechslungsreich bleibt und eine ausreichende Nährstoffzufuhr gewährleistet ist. Gemüse, Fleisch und Fisch sollten schonend gegart und anschließend püriert werden.
Durch Zugabe von Kräutern und weichem, farbigem Gemüse (zum Beispiel Tomaten) werden die Mahlzeiten nicht nur optisch, sondern auch mit Nährstoffen angereichert. So liefert Petersilie Vitamin A und Vitamin C, Dill Calcium und Kalium. Damit Aroma und Vitamine nicht verloren gehen, sollten die Kräuter immer erst nach dem Kochen an die Speisen gegeben werden. Sind keine frischen Kräuter vorhanden, eignen sich auch getrocknete Kräuter.

Sowohl Essig als auch Öle werden geschmacklich und inhaltlich aufgewertet, wenn Kräuterzweige für drei Wochen mit in die Flasche gegeben werden. Durch eine phantasievolle und abwechslungsreiche Anwendung von Kräutern und Gewürzen können vielfältige Geschmacksrichtungen erreicht und Kochsalz eingespart werden.

Pürierte Suppen können nach Andicken mit Vollkornmehl, Kartoffelstärke, Grieß, Sago oder Graupen besser geschluckt werden. Geeignete Beilagen sind ferner Nudeln, Eierstich oder Reis. Zugaben von Butter, kaltgepresstem Öl oder Sahne erhöhen den kalorischen Wert der Speise und liefern Fettsäuren und Vitamin E. Schleimsuppen können aus Stärkemehlen, Reis, Haferflocken, Gerstengrütze, Graupen oder Weizenschrot mit Wasser oder Milch gekocht werden. Vollkorngetreidebreie aus feingemahlenen Haferflocken, Hirseflocken oder Weizengrieß liefern Mineralstoffe und Ballaststoffe sowie die B-Vitamine.

Lösliche Getreideflocken können auch bei erheblichen Schluckstörungen eine ausreichende Ballaststoffzufuhr gewährleisten. Als Zwischenmahlzeit eignen sich Obstbreie und Puddinge. Süßspeisen, wie Desserts und Aufläufe, lassen sich durch gemahlene Nüsse und Ölsaaten mit Ballaststoffen, wertvollem Fett und Mineralstoffen anreichern und erhalten dadurch gleichzeitig einen besonderen Geschmack.

Gemüsesäfte sind meist etwas dickflüssiger als Obstsäfte, können daher besser getrunken werden und sind gleichzeitig Magnesiumlieferanten.
Fein gehackte Kräuter erhöhen den Nährwert des Getränkes. Wenn der ALS-Patient nur noch sehr wenig essen kann, können selbstzubereitete energiereiche Milchmixgetränke zu einer ausreichenden Energie- und Nährstoffversorgung beitragen. Ein halber Liter Vollmilch deckt rund 30 Prozent des Tagesbedarfs eines Erwachsenen an Eiweiß und 14 Prozent des Vitamin A-Bedarfs. Die in Milchprodukten enthaltene Milchsäure unterstützt ebenso wie der Milchzucker den Erhalt der Darmflora und fördert die Darmtätigkeit.

Kann der Patient seinen Nährstoffbedarf durch die tägliche Nahrungsaufnahme nicht mehr decken, empfiehlt es sich, die Speisen durch Einrühren industriell hergestellter Zusatznahrungen anzureichern. So lassen sich Trinknahrungen mit Gemüsegeschmack in Gemüsesuppen und Eintöpfen verarbeiten. Zusatznahrungen mit süßen Geschmacksrichtungen passen zu Milch- und Quarkspeisen.

Da die Betroffenen oftmals nicht viel auf einmal essen können, empfehlen sich mehrere kleine Mahlzeiten am Tag.

Bei ALS-Erkrankten, die keine bedarfsdeckenden , Nahrungsmengen mehr zu sich nehmen können, ist eine enterale Ernährung angezeigt. Hiermit sollte begonnen werden, bevor es zu einer Nährstoffunterversorgung gekommen ist.

Quelle: http://members.chello.at/robert.stroblik/site05.htm

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