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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Trauer um das Kind
Ahasveru Offline

Administration Forum
Beiträge: 6.581

30.09.2005 14:57
Wenn Ihr Kind gestorben ist.... antworten

Wenn Ihr Kind gestorben ist....

Sie leben mit dem Wissen, dass Ihr Kind sterben wird.
Sie hoffen und bangen.
Sie erleben Zeiten der Freude und des Schmerzes.
Manchmal haben Sie vielleicht den Wunsch, vor all dem die Augen zu verschließen, alles einfach hinter sich zu lassen. Und manchmal spüren Sie die Kraft, sich der Wirklichkeit zu stellen; möchten einfach vorbereitet sein.
Sie können nicht vorhersagen, wie die Umstände zum Zeitpunkt des Todes Ihres Kindes sein werden. Und die Gedanken an den unausweichlichen Tod sind sehr schmerzlich. Sollten Sie dennoch die Kraft und den Wunsch verspüren, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen, so gibt es einiges, worüber Sie sich schon im Vorfeld Gedanken machen können. Hierzu wollen wir Ihnen Informationen geben.

So ist es zum Beispiel wichtig zu wissen, dass Sie Ihr Kind ab dem Zeitpunkt seines Todes 36 Stunden bei sich zu Hause oder in einer Einrichtung behalten können. Auf Antrag kann diese Frist um weitere 36 Stunden, ja sogar bis zur Beisetzung selbst verlängert werden. Erst danach muss die Überführung zum Friedhof stattfinden.
In dieser Zeit können Sie und Ihre Familie, Freunde und Verwandte in vertrauter Atmosphäre und den eigenen Wünschen entsprechend Abschied nehmen. Es kann hilfreich sein, den Bestatter einige Vorkehrungen treffen zu lassen bzw. diese mit seiner Unterstützung
selbst durchzuführen.

Rituale des "ersten Abschieds"

Das Waschen, Cremen und Einkleiden Ihres toten Kindes wird Ihnen vielleicht ein Bedürfnis sein. Dem sollten Sie - evtl. mit Unterstützung - auf jeden Fall nachgehen. Dies stellt einen sehr wichtigen Aspekt im Trauerprozess dar. So können Sie sich Schritt für Schritt der Realität des Todes annähern. Auch Geschwisterkinder können durch die Möglichkeit, den Bruder oder die Schwester immer wieder berühren oder sehen zu können, in ihrem eigenen Tempo den Tod "be-greifen". Das Malen von Bildern, das Basteln von Abschiedsgeschenken oder ein letzter Brief sind als Sarg- oder Grabbeigabe ebenfalls schöne und hilfreiche Rituale. Sie ermöglichen einen individuellen Abschied und helfen diese erste Trauerphase konstruktiv zu verarbeiten. Die Erstellung von Fotos oder einer Totenmaske geben Ihnen die Möglichkeit, das letzte Erleben Ihres Kindes festzuhalten.
Weiterhin können Sie den Sarg Ihres Kindes selbst gestalten. Dies kann durch das Bemalen oder Bekleben eines rohen Holzsarges, durch die Gestaltung der Innenauskleidung des Sarges oder durch das Dekorieren mit Blumen erfolgen. Beigaben in den Sarg, zum Beispiel das Lieblingskuscheltier des Kindes, sind möglich. Es ist sicherlich eine emotionale Entscheidung, ob man bestimmte Dinge loslassen kann oder möchte. Für diese Entscheidungen sollten Sie sich genügend Zeit und Raum geben.
Die Zeit zwischen dem Tod und der Beisetzung Ihres Kindes ist für Sie und Ihre Familie eine sehr wichtige Zeit. In diesen wenigen Tagen gibt es viele Entscheidungen zu treffen und Formalitäten zu klären. Hierzu beauftragen Sie einen Bestatter, der Sie darin unterstützen soll.
Wir möchten Sie hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Bestatter eine Dienstleistung anbietet. Das heißt, Sie beauftragen ihn, Ihre Wünsche und Vorstellungen innerhalb der gegebenen Möglichkeiten zu realisieren. Sie sollten unbedingt auf Ihren Rechten bestehen, da manche Bestatter leider noch immer recht unflexibel und den Ideen der Angehörigen gegenüber wenig aufgeschlossen sind.
Die Tage bis zur Beisetzung werden meist als sehr belastend erlebt. Kreatives Schaffen kann Ihnen jedoch Struktur und Kraft geben und aufgestaute Energien fließen lassen. All die chaotischen und schmerzvollen Gefühle können dort ihren Ausdruck finden. Sie können so entscheidend auf den Beginn Ihres Trauerprozesses Einfluss nehmen.

Die Trauerfeier

Die Trauerfeier ist ein weiterer wichtiger Bestandteil bei der Verabschiedung Ihres Kindes. Sie sollten sich hier einen Rahmen schaffen, der Ihnen und Ihrer Familie entspricht. Fühlen Sie sich in einer kirchlichen Gemeinschaft aufgehoben, so werden Sie gemeinsam mit dem Pfarrer den Verlauf der Trauerfeier abstimmen. Sollten Sie jedoch nicht kirchlich gebunden sein oder keinen Bezug zur Kirche haben, so gibt es auch die Möglichkeit, einen Trauerredner außerhalb der Gemeinde zu beauftragen bzw. einen nahen Freund oder Verwandten, der emotional dazu in der Lage ist, um Unterstützung bitten.
Die Trauerhalle wird in Absprache mit Ihnen geschmückt. Auch hier sollten Sie sich Zeit nehmen und auf die Erfüllung Ihrer Wünsche achten. So kann die Halle zum Beispiel mit echten Kerzen und Tüchern in Ihren Lieblingsfarben hergerichtet werden. Der Blumenschmuck kann sehr vielfältig und kindgerecht gestaltet sein (so kann eine jahreszeitlich ausgerichtete Blumenwiese beispielsweise sehr schön und natürlich wirken). Da die Zeit für die Trauerfeier in der Halle manchmal recht knapp bemessen ist, sollten eventuell zwei Termine für die Belegung der Halle eingeplant werden.

Die Bestattung

Die Kosten der Bestattung setzen sich neben dem Aufwand des Bestatters für die Erledigung der Formalitäten (Standesamt, Überführung, Koordination der Trauerfeier etc.) aus den Kosten für den Sarg, Urne, Blumenschmuck, Traueranzeige und Dekoration der Trauerhalle zusammen. Weiterhin fallen Gebühren für die Stadt an. Diese variieren zwischen den verschiedenen Städten in nicht unerheblichem Maße. Genaue Angaben können Sie bei der betreffenden Stadtverwaltung erfragen.
So traurig der Anlass der Bestattung Ihres Kindes auch sein mag, so nehmen Sie mit der Beauftragung eines Bestatters doch Dienstleistungen in Anspruch, die von Region zu Region sehr unterschiedlich sein können - in ihren Leistungen und in ihren Preisen. Wenn Sie im Vorfeld die Kraft haben sollten, ist es sicherlich sinnvoll, sich über diese zwei Seiten zu informieren. Dabei ist zu beachten, dass ein günstiger Bestatter noch lange kein guter sein muss und das ein guter Bestatter nicht immer horrende Forderungen erhebt. Auch hier sollte das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen. Wichtig in der Begegnung mit einem Bestatter ist, dass Sie sich verstanden fühlen. Zwar ist der Anlass traurig, aber es ist nicht seine Aufgabe, Sie zu bemitleiden, sondern mit Ihnen Wege zu suchen und zu finden, die Ihnen bei der Verabschiedung helfen.

Der Trauerprozess

Die Trauer hat viele Gesichter, und jeder Mensch ist einzigartig in seinen Möglichkeiten, einen schweren Verlust zu bewältigen. Manche Menschen ziehen sich zurück, andere suchen Gemeinschaft und Aktivität. Viele spüren die Trauer wie in Wellen. Sie nimmt ab, und dann wieder zu. Der verständliche Wunsch, dass sie bald versiegt, bleibt zunächst unerfüllt. Auch wenn jeder Mensch ganz individuell trauert, so zeigen sich doch Ähnlichkeiten im Verlauf des Trauerprozesses. Ein anerkanntes Modell in diesem Prozess stellen die vier Trauerphasen nach Verena Kast, einer Schweizer Psychologin, dar.
In der ersten Phase, die Kast "Nicht-Wahrhaben-Wollen" nennt, steht die Verweigerung der Annahme des Todes des geliebten Menschen im Vordergrund. In dieser Phase fühlen Menschen häufig nichts oder nur eine große innere Leere. Andere erleben sich als völlig chaotisch und gedanklich zerfahren. Dieser Zustand kann Stunden bis Tage anhalten.
Er wird dann von der Phase der "aufbrechenden Gefühle" abgelöst. Diese zweite Phase zeichnet sich durch ein Nebeneinander vieler verschiedener Gefühle wie Wut, Angst, Ohnmacht, Einsamkeit, Hilflosigkeit aus. Viele Trauernde zeigen körperliche Symptome wie Brustbeklemmungen, Herzrasen bis hin zu Panikattacken. Auch treten häufig Desinteresse, Apathie, erhöhte Reizbarkeit oder Depressionen auf. Während dieser Zeit leiden viele Trauernde unter Appetitmangel, Konzentrations- und/oder Schlafstörungen.
In der Phase "Suchen und Sich-Trennen" versuchen Trauernde durch das ständige Beschäftigtsein mit dem Verstorbenen, die erlebte und verlorene Nähe aufrecht zu erhalten oder wieder herzustellen. Hierzu werden gemeinsam besuchte Orte und Plätze aufgesucht; es werden immer wieder Geschichten und Erinnerungen erzählt oder es werden innere oder laute Zwiegespräche mit dem geliebten Menschen geführt.
Im Verlauf dieses intensiven Suchens, Findens und Wieder-Trennens kommt irgendwann der Augenblick, in dem der Trauernde die innere Entscheidung trifft, ja zum Leben und Weiterleben zu sagen oder aber in seiner Trauer zu verharren. Kann der Trauernde sich der gegebenen Realität stellen, so kann sich seine Trauer allmählich auflösen. In der vierten und letzten Trauerphase nach Kast wird ein "Neuer Selbst- und Weltbezug" hergestellt. Eine veränderte, neue Beziehung zum Verstorbenen wird aufgebaut, indem er oder sie einen neuen, ganz bestimmten Platz im eigenen Leben bekommt. So kann der Verlust des geliebten Menschen langsam in den Alltag integriert werden.

Trauer ist eine sehr schwierige Lebensphase, die viel Kraft und Unterstützung braucht. Trauer ist jedoch keine Krankheit. Sie ist Ausdruck des Schmerzes, den wir beim Verlust eines geliebten Menschen erfahren. Sollten Sie von Anfang an das Bedürfnis verspüren oder Ihre Trauer als gleichbleibend belastend erleben, so sollten Sie sich nicht scheuen, eine Trauergruppe aufzusuchen. Diese Gruppen können im Kontakt mit anderen Betroffenen für den eigenen Trauerprozess und die Integration des Verlustes in den veränderten Alltag sehr hilfreich sein.

Beim Tod eines geliebten Menschen durch Krankheit, wie Sie ihn erleben müssen, tritt Trauer oft schon im Vorfeld auf.
Der Abschiedsschmerz ist in unterschiedlichem Ausmaß vielleicht schon Ihr Begleiter, der manchmal sehr präsent, manchmal nur im Hintergrund ist.
Trauer hat eine große Kraft und lässt sich nicht einfach verdrängen. Sie nimmt sich früher oder später ihren Raum.
Ihr Alltag mit einem behinderten oder schwer kranken Kind ist sehr belastet. Er wird von Bedürfnissen und der Pflege Ihres Kindes geprägt, so dass für Sie selbst vermutlich kaum Zeit bleibt. Um Ihrer
eigenen Kraft und Gesundheit willen, können kurze "Auszeiten" immer wieder sinnvoll sein. Das kann eine halbe Stunde sein, in der Sie ungestört Ihrer Lieblingsmusik lauschen oder sich ein Bad gönnen. Vielleicht können Sie sich sogar ein paar Tage Urlaub ohne Ihr Kind vorstellen. Eventuell können Sie sich diese Rückzugsmöglichkeiten ganz bewusst schaffen, um Energie für Ihren Alltag zu sammeln oder auch Ihrer Trauer Raum zu geben, wenn diese stärker in den Vordergrund Rückt.
Das Sterben Ihres Kindes ist bittere Realität, die sehr schmerzt; einfach nicht "zu sein hat". In der Auseinandersetzung mit dem Tod und manchen vielleicht sekundär erscheinenden Notwendigkeiten, wie sie oben erläutert wurden, kann jedoch auch eine Chance liegen.
Wir vom TrauerHaus hoffen, Ihnen auf diesem schwierigen Weg einige Anregungen gegeben zu haben und sind Ihnen bei Fragen oder Unklarheiten gerne behilflich. Für die Zukunft wünschen wir Ihnen viel Kraft und Unterstützung!

Christine Kohler - Psychologin
Brian Müschenborn - Bestatter & Theologe

Informationsquelle: http://www.trisomie13.de/Abschied/WennIhrKind.htm

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