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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Medizin
Ahasveru Offline

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09.12.2005 17:06
Zur Situation ausländischer bzw. türkischer Patienten und ihrer Familien antworten

Zur Situation ausländischer bzw. türkischer Patienten und ihrer Familien

I. Auswanderung, soziokulturelle Erfahrungen und Krankheit

Um die Situation ausländischer .Familien - hier am Beispiel türkischer Familien - zu verstehen, müssen ihre kulturellen und sozialen Erfahrungen berücksichtigt werden die sie aus ihrem Heimatland mitbringen und die ihr Gesundheits- und Krankheitsverhalten beeinflussen.

Die große Mehrzahl ausländischer Arbeitnehmer kommt ursprünglich aus agrarischen Gebieten. Wenn nicht direkt aus einem Dorf ausgewandert, sind sie oft erst einmal vom Dorf in die Stadt übergesiedelt.

So lebten sie vorher in bäuerlichen Lebenszusammenhängen, in denen hauptsächlich Ackerbau betrieben wurde.

Die Auswanderung bedeutet daher für diese Familien eine enorme Veränderung. Sie ist nicht nur eine kulturelle Entfremdung, sondern ebenso eine Entwertung ihrer lebensgeschichtlich erworbenen Handlungsmuster, ihrer "Alltagsroutine". in einer für sie fremden Gesellschaft. "Über Nacht wird aus einem Bauer, der ein angesehenes Mitglied der Gemeinde war mit einem Erfahrungsschatz von wertvollem Wissen und Fertigkeiten, ein Subproletarier, Analphabet, Ignorant, der nur seine Arbeitskraft zu verkaufen hat." (Ramon et al., 1977).

Je nach den Erfordernissen der Lebensbedingungen im Aufnahmeland ist eine Anpassung dieser lebensgeschichtlich erworbenen Verhaltensweisen an die veränderten Bedingungen nötig.

Mit der Auswanderung ist daher ein hohes Maß an Stress verbunden, der ein großes Risiko für psychische und psychosomatische Krankheiten darstellt. Frustrationen und Druck im Aufnahmeland können auch dazu führen, daß bei bestehender Krankheit die Heilung verzögert wird oder neue Erkrankungen auftreten.

Manchmal flüchten sich diese Menschen in eine Krankheit aus Angst vor den Anforderungen, sich in eine fremde Gesellschaft einzugliedern. Türkische Patienten wenden sich dann auch in den Gastländern manchmal an die Heiler ihrer Volksmedizin (Hoca's) die mit religiösen Riten versuchen, einem Kranken zu helfen.

II. Krankheitsvorstellungen ausländischer Mitbürger:

Die Gesundheit- und Krankheitsvorstellungen der Eltern beeinflussen erheblich Heilungsprozeß des krebskranken Kindes.

So können Nichtwissen oder Nichtbeachtung der überlieferten Krankheitsvorstellungen zum Therapieabbruch führen, zumindest ist das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient erheblich belastet. Bei längerer Aufenthaltsdauer im Gastland werden sprachliche Barrieren für die ärztliche und psychotherapeutische Beziehung weniger wichtig. Scheitert die Verständigung an nicht sprachlich bedingten Mißverständnissen, kommt eine Therapie, die, -sprachlich gesehen durchaus möglich wäre, nicht zustande.

Wie sehen diese unterschiedlichen Krankheitsvorstellungen aus (M. Özelsel 1990).

1. Krankheit ohne das subjektive Empfinden des Krankseins ist meist nicht vorstellbar und so werden die ersten auftretenden Beschwerden für den Krankheitsbeginn gehalten. Weiter zurückliegende anamnestische Fragen des Arztes oder des Psychologen können deshalb vom türkischen Patienten als Mißtrauen gewertet werden.

2. Manchmal werden absichtlich wichtige Angaben verschwiegen , um die Fähigkeiten des Behandelnden zu überprüfen. Der westliche Arzt/Therapeut deutet dieses Verhalten jedoch als mangelnde Bereitschaft bzw. Vertrauen des Patienten zur Mitarbeit.

3. In der Heimat des türkischen Arbeitnehmers herrscht ein ganzheitliches Gesundheitsverständnis. Krankheit ist nicht "organspezifisch" sondern wird als körperlich-seelisches Leiden des gesamten Menschen empfunden. Angaben des Patienten wie "ganz krank, überall" werden vom deutschen Arzt daher als ungenau und für die Diagnose unbrauchbar gewertet. Es entsteht eine mehr oder weniger explizite Geringschätzung der geistigen Fähigkeiten des Patienten, der nicht in der Lage scheint, differenzierte Angaben zu machen. Der Patient empfindet jedoch den Arzt als unfähig ,der nach "Einzelteilen" fragt , wo doch offensichtlich der "ganze Mensch" leidet.

4. Aufgrund einer anderen Sichtweise werden Symptome auch als Ursache interpretiert. So kann z.B. ein Nichtbehandeln eines Fiebers, welches vom Arzt als Abwehrreaktion des Körpers gesehen wird vom Patienten als Nicht-Behandelnwollen seiner Krankheit gedeutet werden.

Das Vertrauen in die westliche Apparate-und Medikamentenmedizin ist meist groß. Ebenso groß sind die Erfolgserwartungen. Wenn jedoch trotz Apparate- und Medikamenteneinsatz keine baldige Besserung eintritt, schlägt das Vertrauen in Skepsis um. und führt zu Abbrüchen oder magischen Behandlungsversuchen Aus Unkenntnis der unterschiedlichen kulturellen Krankheitsvorstellungen, ist der Beginn der Arzt-Patient-Beziehung oft von gegenseitigem Mißtrauen gekennzeichnet (Özelsel, A. 1990).

Krankheitsvorstellungen aus der Volksmedizin

Es gibt grundsätzlich unterschiedliche Formen der Krankheitsbewältigung bei deutschen und türkischen Familien.

Sie sind beeinflußt von spezifischen Krankheitsvorstellung aus der türkischen Volksmedizin, die von Koen-Emge (1988) folgendermaßen beschrieben werden und auch im Gastland ihre Gültigkeit bewahren:

- Magisch-religiöse Krankheitsvorstellungen, wie der böse-Blick "Nazar" der hauptsächlich durch Leute mit blauen Augen oder durch Augen, die Eifersucht und Neid ausstrahlen, hervorgerufen wird. Diese Personen bezwecken aber nicht bewußt das Unheil.

- der Einfluß von Magie "büyü", hinter der sich bewußte und geplante Absichten verbergen, um jemand Unheil zuzufügen und bösen Geistern "cins", die oft als Ursache für Krankheiten und Leiden im zwischenmenschlichen Bereich angesehen werden( Krankheiten, die durch böse Kräfte verursacht werden)

- Mechanische Krankheitsvorstellungen wie Verrutschen und Lageveränderung der Organe,( z.B.. der Nabelfall "Göbek düsmesi").

- Naturalistische Krankheitsvorstellungen, wie der Einfluß von Witterung, Nahrung und übernommenen Erklärungsmodelle aus der westlichen Medizin.

Der Arzt bzw... die Pflegenden müssen daher eine andere Art der Aufklärung z.B. bei operativen Eingriffen, der Mitteilung der Diagnose einer Krebserkrankung wählen. Während in Deutschland eine "gedankliche Weiterverarbeitung" als Krankheitsbewältigung eher wünschenswert ist, neigt man häufig in der Türkei dazu, die Krankheit zu "bagatellisieren, herunterzuspielen und abzulenken". Der türkische Patient und seine Familie sind damit zusätzlich belastet, wenn sie (nach Aussagen von Özelsel) zu viel mit Krankheitsinformationen gefüttert werden. Dadurch können die vertrauten Krankheitsbewältigungsformen nicht angewendet werden . Zugleich glaubt er, wenig oder kaum Einfluß auf den Krankheitsverlauf zu haben, was ihn noch hilfloser macht. Dies sind ungünstige und hinderliche Voraussetzungen für einen Heilungsprozeß Daher ist eine ausführliche Vorbereitung notwendig, bei der vor allem das soziale Umfeld miteinbezogen werden sollte. Meine Erfahrungen als türkische Psychologin auf einer Kinderkrebsstation zeigen ein differenzierteres Bild: es gibt Familien, die keine genauen Informationen über das Krankheitsbild haben wollen, es gibt aber auch solche, die jede Kleinigkeit der Erkrankung genauestens erfahren möchten. Dies hängt z.B. mit der Länge des Aufenthaltes in Deutschland und dem Bildungsstand zusammen. Daher ist nicht unbedingt der Schluß zu ziehen, daß türkische Familien weniger Informationen brauchen.

III.Psycho-soziale Begleitung türkischer Familien auf einer Kinderkrebsstation

Türkische Familien mit einem krebskranken Kind brauchen die gleichen psychosozialen Hilfen wie deutsche Kinder und Ihre Angehörigen. Ausländische Mitbürger haben jedoch zusätzliche Probleme die vor allem mit ihrem Aufenthaltstatus , ihrer Arbeitssituation, den Wohnverhältnisse, der spezifischen sozialkulturellen Familienproblematik zusammenhängen.

Nach 6-jähriger Erfahrung auf einer Kinderkrebsstation in Berlin sind es die folgende Problembereiche, die immer wieder auftreten und Unterstützung brauchen:

1. Die Krankheit

Kenntnisse über die Krankheit sind mit hoher Angst besetzt und werden gleichzeitig mit Tod in Zusammenhang gebracht. Türkische Patienten sind manchmal schwer zu überzeugen, daß es . eine Heilung geben kann. So vermitteln wir ihnen manchmal Kontakte mit einem geheilten Patienten.

Ein Beispiel:

Ein Vater aus Anatolien, hatte den festen Glauben, daß sein Kind sterben wird und es reichten auch mehrere Gespräche mit dem Arzt nicht aus, daß es vielleicht durch die Therapie geheilt werden kann.

Er war felsenfest von dem baldigen Tod des Jugendlichen überzeugt, weil er seine Krankheit mit der Krankheit der Mutter in Verbindung brachte, die an Gelbsucht gestorben war. Hier mußte der Arzt sowohl die Unterschiede zwischen den beiden Erkrankungen klären , als auch die medizinische Situation in der Türkei und Deutschland verdeutlichen, da eine Gelbsucht in Deutschland aber auch in der Türkei heute geheilt werden kann. Es wurde zusätzlich ein türkischer Fachmann hinzugezogen, der diese Probleme nochmals in der Muttersprache erklärte. Zusätzlich wurden Gespräche mit betroffenen türkischen Eltern und ihrem kranken Kind geführt. Erst dann konnte der Vater die Einwilligung zur Therapie geben. Hätten wir den Vater in seinem Mißtrauen nicht Ernst genommen, hätte er sein Sohn in die Türkei gebracht, damit er in der vertrauten Umgebung der Heimat stirbt.

Es gibt noch immer traditionelle Krankheitsvorstellungen bei türkischen Eltern und man muß darauf achten, inwieweit sie der Krankheitsbewältigung dienen oder eher hinderlich sind. Daher ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und Ärzten unbedingt notwendig, um für den Patienten den besten Lösungsweg zu finden, vielleicht auch den, der sowohl eine Chemotherapie als auch die traditionellen Heilmittel zuläßt, soweit sie nicht schädigend für das Kind sind.

2. Die Lebenssituation der ausländischen Familien:

Die Probleme bei der Arbeit, wie frei zu sein für die Betreuung des kranken Kindes, bereiten manchen Eltern enorme Schwierigkeiten . Die Angst den Arbeitsplatz zu verlieren ist sehr viel größer als bei deutschen Eltern, auch wenn sie schon viele Jahre in Deutschland beschäftigt sind.

Türkische Familien sind im allgemeinen ökonomisch sehr viel schlechter gestellt und viele Frauen sind gezwungen mitzuverdienen. Daher haben die Mütter immer ein schlechtes Gewissen, den vielen Anforderungen, z.B. auf der Station für das kranke Kind dazusein, Arbeiten zu gehen, um Geld zu verdienen und gleichzeitig die Familie zu versorgen.

Daher ist eine sozialarbeiterische Beratung sehr wichtig, die die Familien über ihre Rechte und Pflichten aufklärt. Eine Fremdhilfe (wie Haushaltshilfe bzw. Einzelfallhilfe) wird von ausländischen Mitbürgern nicht gerne in Anspruch genommen. Sie wünschen sich vor allem, daß Verwandte aus der Heimat kommen, um ihnen zu helfen

Wenn sie über die Infektionsgefahren ihres krebskranken Kindes erfahren, erwarten die Familie zumeist sofortige Hilfe bei der Wohnungssuche, im Glauben, daß eine ärztliche Bescheinigung ihnen z.B. bei der Wohnungssuche weiterhelfen könnte.. Ihr Anliegen ist verständlich, denn ihre Wohnungen liegen meist in schlechten Wohngegenden, haben schwer beheizbare, feuchte Räume, sowie mangelhafte sanitäre Einrichtungen.

3. Die Lebensplanung:

Die Erkrankung des Kindes stellt die ganze Lebenssituation in Frage. Bei Familien, die in den nächsten Jahren für immer in die Türkei zurückkehren wollten, zerplatzt dieser Gedanke wie eine Luftblase und sie sind gezwungen, ihren gesamten Lebensplan zu ändern. Alles worauf sie gehofft hatten, eine Rückkehr in die Heimat, ein besseres Leben in der Türkei wird zunichte gemacht. Sie haben oft eine große Wut auf das kranke Kind, die sie nicht äußern dürfen, und wenn sie ausgesprochen wird, führt sie zu einem schlechten Gewissen und Schuldgefühlen. Diese großen Gefühlsambivalenzen verursachen gerade zu Beginn der Therapie bei manchen Eltern Depressionen

Bei dem Wunsch nach Rückkehr in die Türkei mit dem kranken Kind, sollte mit den Eltern besprochen werden, ob sie Vertrauen in die türkischen Ärzte haben und die Dauertherapie in der Türkei fortgeführt werden kann. Dies setzt voraus, daß am Heimatort ausreichende medizinische Einrichtungen vorhanden sind und die Familie versichert ist.

Entscheiden sie sich jedoch für die Therapie in der deutschen Klinik, ist der nächste Schritt, ihnen in ihrer Lebensplanung zu helfen

4. Familiendynamik:

Viele Migranten kommen aus Großfamilien. In der Fremde sind sie plötzlich als Kleinfamilien auf sich alleine gestellt. Es fehlt an Nachbarschaftshilfe, an Kontakten und sie sind häufig in ihrem Wohngebiet isoliert, es sei denn, sie leben in einem ausländischen Ballungsgebiet (Ghetto).

Viele Ehefrauen arbeiten und stellen damit dem Ehemann auch seine traditionelle Rolle als Ernährer der Familie in Frage. Diese gezwungenermaßen "neue" Familienstruktur ist die Quelle für Rollenverschiebungen und -konflikte in der Partnerschaft.

Durch die Auflösung stabilisierender Familienbande werden die Traditionen der Heimat eher noch verhärtet und verstärkt. Hinzu kommen unsichere Zukunftsaussichten und Aufenthaltsstatus in Deutschland. Es entwickelt sich ein erhöhtes Mißtrauen gegenüber der deutschen Umwelt, als Folgen davon entstehen Angst, Depression, Aggressivität und Dogmatismus.

In Krisensituationen wie bei der lebensbedrohlichen Erkrankung eines Kindes treten Familienkonflikte auf, die therapeutische Hilfe brauchen. Für türkische Familien ist es meist sehr peinlich, persönliche Konflikte mit einem Fremden zu besprechen und es braucht viel Einfühlungsvermögen und Kulturkenntnis, damit sie diese Hilfe in Anspruch nehmen können.

Ganz allgemein haben ausländische Familien mit einem krebskranken Kind mehr Schwierigkeiten und Probleme vorzuweisen als deutsche Eltern und brauchen mehr Unterstützung, Beratung und Hilfe.

5. Diskriminierung:

Seit 1989, der Zusammenführung beider deutschen Staaten und nach den fremdenfeindlichen Ausschreitungen, sind Diskriminierungen türkischer Familien am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche, in der Schule usw. vermehrt zu beobachten. In den Gesprächen mit ausländischen Eltern treten verstärkt ihre Existenzängste auf.

Zusammenfassung

Die Verständigungsprobleme zwischen türkischen Patienten und dem medizinischen Personal in Deutschland ist nicht nur auf die Sprachbarrieren zurückzuführen, sondern auch auf kulturelle Unterschiede im Krankheitsverständnis und Krankheitsverhalten. Die Untersuchung von Koen-Emge (1988) zeigte, daß Krankheitsvorstellungen aus der Volksmedizin im Zuge der Auswanderung zwar oft verloren gehen, daß sie jedoch in Bruchstücken im Hintergrund schlummern, auch wenn sie nicht erwähnt werden. Sie sind umso präsenter, je mehr sie von einem sozialen Umfeld getragen werden, wie zum Beispiel durch die Großfamilie oder durch ein Ausländerghetto. Die Erfahrungen aus der Volksmedizin werden vor allem bei Krankheiten und Beschwerdebildern angewendet, für die die westliche Medizin keine ersichtlichen Erfolge vorweisen kann, auf der Suche nach Heilung. Grundsätzlich bleibt die westliche Medizin, solange sie erreichbar ist, primäre Anlaufstelle in Krankheitsfällen.

Auch wenn die Krankheitskonzepte aus der Volksmedizin einem Wandel unterliegen und sich je nach Gegebenheiten der Umwelt verändern, bleiben zwei sehr wesentliche Faktoren bestehen:

1. die Krankheit bricht von "außen" über den Menschen herein,

2. das ganzheitliche Verständnis und Erleben von Kranksein.

Ist die Krankheit ein Geschehen, das von "außen" über den Menschen kommt, werden Erklärungen, die den Patienten für seine Krankheit verantwortlich machen, nicht verstanden und abgelehnt. So werden psychologische Erklärungen, die den Einzelnen sehr stark auf seine "eigene", "persönliche" Geschichte zurückwerfen, vom türkischen Patienten nicht angenommen. Er versteht sich nicht so sehr als isoliertes Individuum, sondern als Teil der Gemeinschaft, der er angehört.

Die Krankheit wird auch nicht auf bestimmte Organe beschränkt, wie es der Sichtweise der westlichen Medizin entspricht, -sondern krank ist der "ganze Mensch". Auf diese Weise wird Krankheit von türkischen Patienten oft nicht organbezogen gesehen und bezeichnet, sondern als ein den ganzen Körper beeinträchtigendes Ereignis. Dieses Verhalten wird von Vertretern der westlichen Medizin häufig mißverstanden und als "dramatisieren", "simulieren" oder "sprachliche Unqualifiziertheit" eingeordnet. Dieses Verhalten ist ein Ausdruck eines ganzheitlichen Erlebens von Kranksein, das sich in der Sprache, in der Mimik und den Gesten des türkischen Patienten niederschlägt.

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Texte aus dem Buch 'Leben will ich jeden Tag'

von Heide Häberle und Dietrich Niethammer

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Herder Verlages


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Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Renate Sedlak.

Informationsquelle: http://www.onko-kids.de/Eltern/gueler.htm

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