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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Buch - Vorstellung(en) und Besprechung(en)
Ahasveru Offline

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Beiträge: 6.581

07.12.2005 21:36
Zwei neue Romane des Bad Bevenser Arztes Wolf-Peter Weinert antworten

Schreiben mit Effekt

Zwei neue Romane des Bad Bevenser Arztes Wolf-Peter Weinert

oc Bad Bevensen. Bücher schreibt Wolf-Peter Weinert "nebenher". Das sagt der Hausarzt aus Bad Bevensen so, aber das stimmt denn doch so nicht. Denn was der 50-Jährige anfasst, das macht er nicht so nebenbei, sondern gewissenhaft, gründlich, genau. Gleich zwei neue Romane hat Weinert jetzt herausgebracht, und wer mit dem schreibenden Arzt spricht, merkt schnell, dass noch eine ganze Reihe von Themen und Geschichten in ihm steckt. Er wird sie nach und nach ans Licht bringen. Schreiben nämlich ist Weinert eine Berufung wie das Arztsein.

Weinerts Bücher lassen sich leicht auf sein Leben zurückführen. Vor den beiden neuen Bänden hat er bereits eine lange Reise Buch werden lassen: "Namaste Indien !" Und aus seinem Arzt-Alltag entstand "Hermann und Luise", die Liebesgeschichte zweier schwer an Krebs erkrankter Menschen. Und hier knüpft eines der zwei neuen Bücher an: Mut machen, wenn der Tod ins Leben winkt.

"Spätvorstellung" (130 Seiten, 10 Euro) führt in das Leben von Edzard Dacher. Das ist ein betagter Herr, der beim Altern beginnt, alle fünf Jahre Inventur zu machen. Das heißt, Abschiede zu akzeptieren: den vom eigenen Haus, den vom Auto, dann auch den von der eigenen Wohnung. Edzard Dacher, und da setzt das Buch mit der eigentlichen Geschichte ein, begibt sich in eine Einrichtung des Betreuten Wohnens. Der Radius des Lebens wird enger, aber er lässt sich mit Sinn füllen. Und Dacher hat noch etwas vor.

Weinert plädiert in seiner in ruhigem Ton geschriebenen Erzählung für einen bewussten, disziplinierten Umgang mit der eigenen Zeit und den eigenen Möglichkeiten. Weinerts "Spätvorstellung" vermittelt eine positive Botschaft, auch wenn der Tod Regie führt. Das Buch ist "in augenfreundlichem Großdruck" erschienen, woraus deutlich wird, dass dieser Roman (wie der von "Hermann und Luise") neben dem allgemeinen ein fester definierbares Zielpublikum hat.

Wie planvoll Wolf-Peter Wenert arbeitet, zeigt sich auch im Drumherum. Alle seine Bücher sind gründlich - von Beate Carle - lektoriert. Sie bekommen eine verbindende, ansprechend unaufdringliche Gestaltung und erscheinen im Verlag Leben Schreiben. Den führt Bettina Schomerus-Weinert. Ein Familienunternehmen also. Weinert zitiert - dem Sinn nach - seinen Lieblings-Schriftsteller John Irving: "Mein Schreiben ist geprägt von der Angst um meine Familie." Und davon handelt der zweite neue Roman, der über viele Jahre wuchs - "Der Verlust" (500 Seiten, 13 Euro).

Darin prallen zwei Familien aufeinander. Die eine ist die des Arztes Thomas Bolder, der glücklich mit Frau und zwei Kindern lebt - wie die Familie Weinert. Die andere Seite verkörpert Robert Kropp, ein Mir-gehört-die-Welt-Typ, ein cholerischer Kotzbrocken, nur König Alkohol untertan. Die Stränge des Romans laufen aufeinander zu, mit schrecklichster Konsequenz. Weinert legt sein Werk in pointierter Schwarzweiß-Malerei an und als deutliche Warnung vor möglichen Folgen des Alkoholmissbrauchs. Wie die Geschichten aufeinander zu rasen, wie der Kropp-Clan sich zerbeißt, wie zum Ende hin ein tastender Weg aus dem Dunkel sichtbar wird -- das ist emotional geschrieben und entwickelt bei allem Sendungsbewusstsein des Autors Spannung, die den "Verlust" zum bisher erfolgreichsten Weinert-Werk machen wird.

Informationsquelle: http://www.landeszeitung.de/start.phtml?...02&titel=Kultur

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