Akute Schmerzen haben in der Regel eine klar erkennbare Ursache und treten zumeist infolge einer Gewebeschädigung auf, sei es bei Verletzungen oder Entzündungsprozessen. Akutschmerz ist in der Regel gut lokalisierbar und kausal therapierbar. Als physiologisches Alarm- und Warnsymptom, löst Akutschmerz Flucht- und Vermeidungsreflexe (Schadensfrühwarnsystem) und in deren Folge für akute Stressreaktionen typische vegetative Symptome aus. Physiologisch wird akutem Schmerz entsprechend eine Schutzfunktion zugeschrieben. Auf der psychischen Ebene sind akute Schmerzen dementsprechend zumeist mit vorübergehendem Angst- und Stresserleben verbunden.
Chronische Schmerzen, seien es anhaltende Dauerschmerzen oder wiederholt auftretende Schmerzzustände, besitzen demgegenüber kaum mehr die dem akuten Schmerz zugeschriebene lebenserhaltende Alarm- und Schutzfunktion. Anhaltender Schmerz kann von einem Krankheitssymptom zur eigenständigen Krankheit werden. Die Grenzen zwischen (sub-)akuten und chronischen Schmerzen sind fließend. Vom Vorliegen chronischer Schmerzen wird ab einer Schmerzdauer von drei Monaten – so auch in den 1986 von der IASP veröffentlichten Begriffsbestimmungen und ergänzenden Erläuterungen – ausgegangen, bzw. wenn Schmerzen über die erfahrungsgemäße Dauer des Heilungsprozesses hinaus weiter anhalten.
Die Ursache und damit die „physiologische Sinnhaftigkeit“ ist bei chronischem Schmerz oftmals nicht mehr unmittelbar erkennbar und die Lokalisation schwierig. Stattdessen werden eher diffuse Schmerzempfindungen beschrieben. Chronifizierung des Schmerzes bedeutet, wie es auch Kröner-Herwig 1999 in einer Gegenstandsbestimmung umschrieb, dass der Schmerz faktisch seinen Anlass „überdauert“. Dem entspricht eine veränderte Begleitsymptomatik. In der Stressforschung als Folgen von Dauerbeanspruchung nachgewiesene körperliche, psychische und soziale Probleme treten in den Vordergrund, darunter Schlaf- und Appetitstörungen, der Verlust sexueller Bedürfnisse und eine erhöhte Reizbarkeit. Im Bestreben, eine Klärung der Ursachen und Schmerzlinderung zu erlangen, treten oftmals zeitraubende schmerzbezogene Aktivitäten in den Mittelpunkt des Alltagslebens der Betroffenen. Da chronischer Schmerz die Tendenz begünstigt, sich von sozialen Aktivitäten mehr und mehr zurückzuziehen, stehen schmerzkranke Menschen zunehmend in Gefahr, in soziale Isolation zu geraten.
Die Therapie bei chronischem Schmerz ist kompliziert und erfordert oftmals eine (Re-)Aktivierung der Betroffenen. Die Anwendungsprinzipien der Schmerzmedikamente unterscheiden sich teilweise grundlegend von den bei akuten Schmerzen angezeigten Prinzipien. Zudem kann der Gebrauch bestimmter Schmerzmittel schmerzauslösend sein. Das gilt insbesondere für coffeinhaltige Kombinationspräparate bei Kopfschmerzen. Hinzu kommt, dass das erlernte schmerzbezogene Schon- und Meidungsverhalten, oftmals auch bezogen auf die Grunderkrankungen dysfunktional und schmerzverstärkend sein kann (z. B. bei rheumatischer Arthritis und degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule). Aber auch ausgeprägte „Durchhaltestrategien“ können das Schmerzgeschehen verstärken und eine Schmerzchronifizierung begünstigen.