Gegenüber einfachen Reiz-Reaktionsmodellen des Schmerzes hat sich in der Schmerzforschung und -therapie seit den 1970er-Jahren ein umfassendes Schmerzverständnis durchgesetzt. Eine Expertengruppe definierte 1979 im Auftrag der Internationalen Vereinigung zum Studium des Schmerzes (International Association for the Study of Pain – IASP) den Begriff Schmerz als „ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben werden kann“. Ferner werden in den 1986 veröffentlichten ergänzenden Erläuterungen zur Schmerzdefinition die Subjektivität des Schmerzerlebens herausgestellt und hervorgehoben, dass Menschen oftmals auch ohne eine erkennbare Gewebeschädigung oder nachweisbare pathophysiologische Ursache von Schmerzempfindungen berichten. Daher sei, wenn die Betroffenen ihre Empfindungen als Schmerz erleben und entsprechend berichten, dies prinzipiell als Vorhandensein von Schmerz zu akzeptieren. Dies bedeutet zugleich, dass das erkennbare Maß einer körperlichen Schädigung kein Maßstab für die von den Betroffenen empfundene Intensität des Schmerzes sein kann.