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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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Ahasveru Offline

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26.11.2005 22:35
Sterben - gern...für Dich! antworten
Sterben - gern...für Dich!

Sommerroman 1872: Der Verlobung am Rhein folgt der Tod auf der Rhein

Vom 26.11.2005

Noch eine Episode, ein dramatisches Stück Lebensgeschichte der Bertha von Suttner nimmt seinen Ausgang in der Kurstadt zwischen Rhein und Taunus. "Einen Verlobungsroman", nennt sie es in ihren Memoiren selbst. Ein Roman mit traurigem Ende. Sie widmet diesem Sommer 1872 ein Kapitel ihrer Erinnerungen:

"Es war in Wiesbaden. Ein junger Mann - Adolf Prinz Sayn-Wittgenstein-Hohenstein war sein Name - ließ sich vorstellen. Es stellte sich heraus, dass er mit einer phänomenalen Tenorstimme begabt, ein leidenschaftlicher Sänger war. Das gab natürlich zwischen ihm und mir einen Anknüpfungs- und später einen Anziehungspunkt. Er hatte mich einmal gehört, als ich bei offenem Fenster sang, und das hatte ihn veranlasst, sich zu nähern. Wir forderten ihn auf, uns zu besuchen und seine Noten mitzubringen... Ich war erstaunt, dass die Stücke, die er mitbrachte, nicht nur Lieder, sondern meist Opernarien waren, und er staunte nicht minder, auch bei mir einen Vorrat an Partituren vorzufinden...

Er kam nun täglich zu uns, und dem Faust-Duett folgte das Duett aus `Romeo und Julie` und darauf das Duett zwischen Raoul und Valentine. Bald vertraute der junge Mann uns an, dass er in der Tat die Absicht habe, sich der Kunst zu widmen. Schon in einem Monat wollte er nach Amerika reisen und dort unter angenommenem Namen in Konzerten oder auch im Theater auftreten...

Wir verstanden uns vortrefflich. Unsere Stimmen klangen herrlich zusammen, und das Ende war - errät nicht jeder, was das Ende war? Vierzehn Tage lang täglich zwei Stunden einander in Dur und Moll, in zärtlichen und feurigen Tönen zu beteuern: Io t´amo, je t´adore - will sterben - gern... für Dich! Das lässt sich nicht - wenn man sich sonst sympathisch ist - ungestraft tun. Und so geschah es, dass wir übereinkamen, unsere Lebensschicksale, die einander so ähnlich waren, zu verbinden.

Prinz Wittgenstein hielt um meine Hand an, und sein Antrag ward von meiner Mutter genehmigt. Meine Genehmiggung hatte er schon in dem Kuss erhalten, mit welchem eines der in süßen Terzen ersterbenden Duette geendet hatte." - Geplant war, er würde vorreisen. Bertha sollte als deklarierte Braut zurückbleiben, bis seine Karriere einen verheißungsvollen Anfang gemacht haben würde. "Von seinen Eltern kam bald ein zustimmender Brief, und so waren wir denn Braut und Bräutigam. In dieser Eigenschaft ward uns das Singen der Liebesduette noch einmal so wonnig. Freilich mischte sich im Glücke die Wehmut der so nahe stehenden Trennung bei."

Bei der Atlantik-Passage auf dem Schiff "Rhein" starb der Prinz völlig überraschend an einer schweren Form der Seekrankheit. "Ich stieß einen Schrei aus und habe die ganze Nacht schluchzend an meinem Bett gekniet."

Bertha von Suttner nannte es eine "schmerzliche und doch schöne Episode meines Lebens - ein kurzer Roman von Sangeszauber und wehmütiger Entsagung: An Bord der Rhein ward die Trauerflagge gehisst, ein Choral gesungen, das Schiff blieb stehen, und unter Salutschüssen wurde eine Leiche ins Meer versenkt. Der da in den Fluten verschwand - ein Künstler, ein Prinz, ein seelenguter Mensch -, dem hatte man die Photograhie der Braut ans stille Herz gelegt, und die Meereswellen rauschten dem Toten und meinem Bilde ein schluchzendes Hochzeitslied."

Informationsquelle: http://www.main-rheiner.de/region/objekt...ikel_id=2152120

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