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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Tod durch Suizid
ingoborm Offline

Webmaster und Administration Technik

Beiträge: 937

21.11.2005 17:53
Was tun mit suizidgefährdeten Patienten? antworten

Was tun mit suizidgefährdeten Patienten?

Beobachten Sie den Patienten
Ist er verzweifelt? Ratlos? Perspektivlos? Verschenkt er seine Sachen, macht er plötzlich "Ordnung" in Dinge die er bislang vernachlässigt hat? Bricht er langjährige Kontakte ab? Erlöschen seine üblichen Interessen? Stellt er Dinge und Werte in Frage, die bisher für ihn wichtig waren? Gibt er Aussagen von sich, wie "Es hat ja doch alles keinen Sinn mehr!" oder "Am besten wäre es, wenn es mich nicht mehr gäbe?"

Verharmlosen Sie diese Aussagen nicht!
Gehen Sie darauf ein, sprechen Sie das ungewohnte Verhalten an. Vermeiden Sie dabei aber Vorwurfshaltungen und Drohungen!

Befragen Sie die Angehörigen
und ziehen sie seine unmittelbare Geschichte in Betracht: Gab es in letzter Zeit schwere Verlusterlebnisse (Tod des Partners, schwerwiegende medizinische Diagnosen, et. cet.)?

Versuchen Sie das erlernte Wertesystem des Patienten kennenzulernen
Achten Sie dabei auf Ansichten, die sich in Äusserungen wie "Ich bin nichts mehr wert!" oder "Wer nichts arbeitet soll auch nichts essen!" Sprechen Sie solche Äußerungen an! Betonen Sie positive Einstellungen und Sichtweisen. Versuchen Sie mit dem Patienten einen (neuen) Lebenssinn für ihn zu finden.

Verharmlosen Sie die Lebenssituation des Patienten nicht
Teilen Sie ihm mit, dass Suizidgedanken in seiner Situation nicht selten oder verwunderlich sind. Ermöglichen Sie dem Patienten, dass er ohne Angst vor Konsequenzen über seine Suizidwünsche sprechen kann.

Beobachten Sie den Patienten
ohne jedoch das Gefühl des Kontrolliert - werdens entstehen zu lassen.

Ziehen Sie den Patienten in Aktivitäten mit ein
und fordern Sie von ihm Dinge, die er erfüllen kann. Geben Sie ihm eine Aufgabe, der er gewachsen ist.

Verharmlosen Sie die Suizidversuche nicht
und verschweigen Sie sie auch nicht. Sprechen Sie ganz normal darüber, ohne Vorhaltungen, ohne Schuldgefühle zu erzeugen und ohne diese zu ver-harmlosen. Heben Sie die Möglichkeit hervor, dass Selbsttötung nur eine Art ist, ein Problem zu lösen und dass dies in dieser Situation zwar verständlich ist, aber bei einer etwas anderen Sichtweise des Problems sich auch andere Strategien ergeben können.

Sprechen Sie auch mit den Angehörigen darüber
und raten Sie diesen im o.a. Sinn zu handeln.

Achten Sie auch auf sich selbst
indem auch Sie in Supervision und Teamgesprächen über ihre eigenen Probleme mit diesem Klienten sprechen. Wenn Sie sich mit der Situation überfordert fühlen, ziehen Sie Fachleute zu Rate,

Was tun bei einem gelungenem Suizid?

- Verändern Sie nichts, am Patienten oder im Krankenzimmer. Stellen Sie lediglich seine Vitalzeichen fest.
- Sollten diese noch vorhanden sein, leisten Sie sofort Erste Hilfe (1. Hilfe rufen, 2. Reanimieren)
- Sollten die Vitalzeichen nicht mehr vorhanden sein, rufen Sie Polizei an und informieren Sie umgehend Ihre Dienststelle. Räumen Sie keine eingenommenen Medikamente weg, lösen Sie keine Strangulationsknoten auf.
- Falls möglich, nehmen Sie sich für den Rest des Tages frei.
- Sprechen Sie über den Vorfall und ihre Gefühle dabei mit ihrer Supervisorin.
- Erzählen Sie ihren anderen Klienten davon von sich aus nichts, um den Nachahmungseffekt zu vermeiden, sprechen sie mit ihnen aber darüber unbedingt, wenn diese von der Tat wissen.

Quelle:
MÖLLER Jürgen; Psychiatrie; Stuttgard 1998
THIEL & JENSEN; Klinikleitfaden Psychiatrische Pflege; Stuttgard 1997

Informationsquelle: http://medwell24.at/CDA_Master/1,3008,3087_4631_11231,00.html

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