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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Altenpflege
Romaschka Offline


Beiträge: 172

13.11.2005 21:59
Kompetenz im Alter - Bewältigung der Probleme von Alter und Krankheit antworten

Kompetenz im Alter

Geht man davon aus, daß in der Zukunft die chronischen Krankheiten durch den wachsenden Anteil älter werdender Menschen und ebenso durch den Anstieg des höheren Lebensalters an Bedeutung gewinnen, so ist es notwendig, sich mit der veränderten Situation auseinanderzusetzen, daß "Gesundheit eine andere Bedeutung erhält. Sie beschreibt die Fähigkeit der Person, trotz der eingetretenen Einschränkungen ein (einigermaßen) selbständiges Leben zu führen, zu einer neuen Lebensperspektive zu finden, bei der neben den eingetretenen Grenzen auch die Möglichkeiten wahrgenommen werden, und die Situation hin- und anzunehmen, so daß man offen ist für Ereignisse und Bereiche, die Zufriedenheit und Freude vermitteln können" (Kruse 1991, S. 165).

Ergebnisse der Bonner Längsschnittstudie zur Auseinandersetzung mit gesundheitlichen Belastungen im Alter machen deutlich, daß viele Menschen fähig sind, mit gesundheitlichen Einschränkungen und Belastungen umzugehen; daß ihnen die Möglichkeit erhalten bleibt, ein sinnerfülltes und selbstverantwortliches Leben zu führen. "Dabei wurde auch deutlich, daß diese Fähigkeit mit den spezifischen Erfahrungen, die ältere Menschen im Laufe ihrer Biographie gemacht haben, sowie den biographisch gewachsenen Erlebens- und Auseinandersetzungs-formen, zusammenhängt" (Kruse 1988, S. 169 MMG).

Kompetenzmodelle

Unter den verschiedenen Modellen bzw. theoretischen Ansätzen, die zum Alterungsprozeß in den vergangenen Jahren entwickelt wurden, hat sich das Kompetenzmodell als hilfreichste Form erwiesen, "all die Möglichkeiten des alternden Menschen zu diskutieren, die es ihm ermöglichen, jene Transaktionen in seiner Umwelt auszuüben, die es ihm erlauben, sich zu erhalten, sich wohl zu fühlen und sich zu entwickeln" (Olbrich 1987, S. 319).

Anders als das Defizitmodell, das den schicksalhaften, körperlichen, psychischen und sozialen Abbau im Alterungsprozeß eines Menschen im Vergleich zur jüngeren Generation aufzeigen will, und dem Disusemodell, welches auf eine durch Aktivität und Funktionserhalt ausgerichtete Interaktion versucht, den Alterungsprozeß aufzuhalten und entgegenzuwirken, geht es im Kompetenzmodell "dem Individuum darum, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, es selbst zu gestalten, eine Aufgabe zu haben, die als Herausforderung erlebt wird und Ziele und Werte zu verwirklichen" (Kruse 1987, S. 356). Dabei wird davon ausgegangen, "daß Verhalten im Alter - ebenso wie in jedem anderen Teil der Biographie - aus dem Verhältnis von Anforderungen an die Person und deren Ressourcen zu ihrer Bewältigung verstanden werden muß" (Olbrich 1987, S. 320). Jeder Mensch kann also im Laufe seines Lebens immer wieder neue Kompetenz erwerben. Es ist nicht so, daß mit der Entwicklung im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter der Kompetenzerwerb abgeschlossen ist. Soziale Kompetenz im Alter bildet sich aus biographischen Erfahrungen und den Voraussetzungen, die ein Mensch in seiner Sozialisation erworben hat. In verschiedenen Programmen kann Kompetenz in kognitiven und sozialen Bereichen trainiert und gefördert werden, um somit eine Adaption an die Anforderungen der Umwelt zu erreichen.

Eine weitergehende Auseinandersetzung mit den verschiedenen theoretischen Ansätzen und Modellen von Kompetenzerwerb würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Kompetenz bei chronischer Krankheit

Leidet der einzelne Mensch an einer chronischen Erkrankung, so hat er einen Teil seiner Kompetenz einbüßen müssen. Da sich der so Erkrankte nicht darauf stützen kann, durch mögliche medizinische Behandlung Heilung oder Linderung seiner zumeist körperlichen Beeinträchtigungen zu erhalten, geht es letztlich darum, Restfunktionen zu erhalten und zu stärken.

Durch Einschränkung oder Verlust der eigenen Selbständigkeit und Unabhängigkeit sehen sich viele Menschen in einer ausweglosen Situation, die möglicherweise den einzelnen Patienten resignieren läßt und die Identifikation mit der Krankheit zum Lebensinhalt werden läßt. Verstärkt durch ein sich im Laufe des Lebens herausgebildetes negatives Altersbild, daß ohnehin von einer Leistungsminderung alter Menschen ausgeht, erlebt der Patient sich als inkompetent und hilfsbedürftig.

In den vom R. White (1959) und K. Bühler (1963) formulierten anthropologischen Grundmotiven gehen beide davon aus, "daß menschlichem Handeln primär das Bestreben zugrunde liegt, sich als 'kompetent' zu erleben, d. h. 'etwas bewirken zu können', 'Aufgaben zu meistern' und 'effektiv zu sein'." (Kruse 1987, S.356). Hier hat das soziale Umfeld therapeutische Funktion zur Aufrechterhaltung und Wiedergewinnung von Kompetenz. Dabei ist es für den Patienten wichtig, der sich mit seiner Krankheit auch zusätzlich in einer Identitätskrise befinden kann, von seinem Umfeld positive Bewertungen zu erfahren. Er muß lernen, seine Krankheit mit den Einschränkungen und Möglichkeiten realistisch einzuschätzen, Strategien zu entwickeln, die ihm helfen, ein neues, positives Selbstbild aufzubauen und Hilfen zur Bewältigung von Krankheitserleben zu ermöglichen.

Der einzelne Patient selbst bewertet seine Kompetenz eher subjektiv. Abhängig von kognitiven Kategorien wie:

· Grad der erlebten Veränderbarkeit der Situation,

· Grad der erlebten Kompetenz in der Bewältigung der täglichen Lebensaufgaben,

· Grad der erlebten sozialen Integration,

· Ausmaß der Gefühle, gebraucht zu werden und Aufgaben zu besitzen,

· Ausmaß, in dem die Zukunft als offen erlebt wird und Aufforderungscharakter besitzt,

· Ausmaß, in dem die Bemühungen um gesundheitlichen Fortschritt als 'sinnvoll' erlebt werden

ist die bejahende Einstellung zum Leben für den Patienten (vgl. Kruse 1987, S. 358). "In dem Maße, in dem sich der Patient ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zutraut und die Überzeugung gewinnt, daß sein Leben einen Sinn hat, bemüht er sich auch bewußt um eine neue Lebensperspektive" (ebenda, S. 358).

Hingegen machen Belastungsfaktoren, wie z. B.

· Einbußen wie Verlust an Kompetenz, Verlust einer Lebens- und Zukunftsperspektive,

· das Gefühl, Angehörigen und/oder Freunden zur Last zu fallen,

· Gefühl von Isolation,

· Gefühl von Unveränderbarkeit der Situation,

· körperliche Schmerzen und Mißempfindungen und

· das Angewiesensein auf Hilfe

dem einzelnen Patienten deutlich, nicht mehr selbst das Leben bestimmen zu können; die eigene Unabhängigkeit ist gefährdet; das Leben gleitet ihm mehr und mehr "aus den eigenen Händen" (vgl. Kruse 1987, S. 359).

Wichtig für den Erhalt von sozialer Kompetenz bei chronischer Krankheit ist ebenso das Vermögen, die notwendigen sozialen Kontakte zu pflegen und aufrecht zu erhalten. Patienten mit langer Krankheitsdauer leben häufig sehr isoliert. Dabei ist es aber oft der einzelne Patient selbst, der die Kontakte zum Teil aus falsch eingeordneten Reaktionen seiner Umwelt, aber auch aus eigener Angst und Unsicherheit, abbricht und somit die Fähigkeit verliert, auf Menschen zuzugehen und die entsprechend notwendigen Kontakte zu sichern und zu pflegen.

Bewältigungsformen chronischer Krankheit

Die Bewältigungsformen von chronisch kranken Patienten stellen sich individuell sehr unterschiedlich dar, zu Beginn der Erkrankung sind sie sehr veränderlich und somit nur unzureichend zu charakterisieren: Resignative Reaktionsformen können mit Reaktionsweisen, die aktive Auseinandersetzung und Verbesserung der Situation zum Ziel haben, abwechseln.

Im Verlauf der Krankheit entwickelt der Patient eine immer einheitlichere, individuelle Reaktionsform als Ausdruck der abnehmenden Variabilität der Auseinandersetzung mit der Krankheit. A. Kruse unterscheidet vier "Bewältigungsstile", auf die sich in einer Untersuchung die Reaktionsweisen von langjährig Kranken zusammenfassen ließen (Kruse 1987, S. 360 f.).

Damit der chronisch kranke Patient durch Akzeptieren seiner Funktionseinschränkung und Neugestaltung seiner Lebensplanung zu einer Bewältigung seiner Krankheit kommt, ist es notwendig, daß er Wertschätzung durch sein Umfeld erlebt und sich als nützlich empfindet. Dies zeigt, wie wichtig sein soziales Umfeld zur Aufrechterhaltung seiner Kompetenz ist, wenn es fördernd und unterstützend einwirkt.

Quelle: http://www.dialyse-online.de/Home/Biblio...SD/ft1/0005.php


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