Mehr Zeit für alte Menschen beim Arbeiten finden in der regulären Arbeitszeit, das ist wirklich sehr schwierig. In meinem Ausbildungsbetrieb klappt das nur, wenn ich mit ganz bestimmten Kollegen in einer Schicht zusammentreffe, die sehr team- und bewohnerorientiert, eben einfach mitmenschlich und miteinander arbeiten. Da gibt es ganz konkrete Absprachen, wenn jemand mal mit diesem oder jenen Bewohner reden möchte, und die anderen tun dann seine Arbeit derweil mit. Da ist ein gegenseitiges Wohlwollen vorhanden, dass es einen einfach nur befriedigt und man sehr zufrieden nach dem Dienst nach Hause geht. Leider ist das wirklich ein seltener Glückszufall. Durch die Arbeitsverdichtung sind Begriffe wie Solidarität, Kollegialität und Achtung leider oft Fremdworte. Und es sind sehr viele Ungelernte in der Pflege, die durch jahrelange Routine nicht unbedingt gelernt haben müssen, wie man mit Herz arbeitet... Die Fluktuation in dem Beruf ist groß. Ich hoffe immer noch, dass die Fachkraftquote noch erhöht wird. Momentan liegt die gesetzlich vorgeschriebene bei 50 : 50 - d.h. die Hälfte des Personals muss eine pflegerische Ausbildung haben.
Für mich gäbe es hier am Ort in der Diakonie die Möglichkeit, sterbebegleitend tätig zu werden. Das ist aber ein ganz normaler ambulanter Dienst, der lediglich Halbtagskräfte einstellt. (dadurch weniger Arbeitsausfall, wenn jemand krank wird von den Kollegen) Wenn diese Kollegen einen Sterbenden in ihrer Tour haben, können sie nach Ende ihrer Tour (ca. 4 Std.), wenn es vom Patienten oder dessen Angehörigen gewünscht wird, nocheinmal dort hin fahren und dem Sterbenden zur Seite stehen. Das wird dann nach Rücksprache mit der Chefin als Überstunde anerkannt und bezahlt bzw. die Diakonie sichert sich ab, dass sie vom Patienten/Angehörigen oder dem Leistungsträger/Krankenkasse diese Zeit vergütet bekommt, die die Kollegin dort verbringt. Wenn man Vollzeit arbeiten muss, was ich nach Ende meiner Ausbildung werde, ist es kaum schaffbar, nach den 8 Std. Dienst noch zusätzlich hintendran Sterbebegleitung zu machen. Dann ist die Luft raus und der Mensch braucht Feierabend.
Ansonsten kann man als Krankenschwester oder gelernte Altenpflegerin eine Zusatzausbildung in Palliativ Care machen und in so einem palliativen, ambulanten Dienst arbeiten. Diese Kollegen haben wesentlich mehr Zeit am Patienten zur Verfügung, weil es klar ist, dass es Finalpflege/Endstadium ist und Mehraufwand bedeutet. Dieses System ist aber noch im Aufbau in Deutschland und finanziell noch nicht ganz ausgegoren. Dabei ist auch die psychische Belastung des jobs nicht zu unterschätzen. Es sind praktisch keine Erfolge beim Pflegen sichtbar. Nicht jeder Sterbende kann sich auf sein Ende friedlich einlassen... Das kann die helfenden Hände sicher auch stark belasten, weshalb es schon schöner ist, zwischendurch auch Menschen zu betreuen, wo es noch richtige Pflegeerfolge zu sehen gibt. (z. B. Heilung einer Fraktur, eines Hautdefektes, wieder laufen können nach Hüft-OP...)
Ich ganz persönlich würde mir wünschen, finanziell so gut gestellt zu sein, dass ich mit Halbtagsarbeit auskommen könnte. Dann würde ich gern die übrige Zeit mit unentgeltlicher Zuwendung für alte Menschen verbringen - Gespräche, Besuche, Reiki...
Vielen Dank für dein Interesse. Liebe Grüße zum 2. Advent von Romaschka
Vielen Dank für Deine Offenheit und den Einblick, den ich als reiner Bürohengst dadurch in mir ferne Bereiche erhalte.
Ich verstehe, dass Du gebunden bist durch eine bestimmte notwendige Arbeitszeit und dass dann die Kraft fehlt für weiteres ist klar. Irgendwann muss man sich auch wieder regenerieren.
Du sagst, es seien die Ungelernten in der Pflege, die durch jahrelange Routine nicht unbedingt gelernt haben, wie man mit Herz arbeitet. Meinst Du nicht, das ist eine Frage der Persönlichkeit und nicht unbedingt der Ausbildung? Oder wird man in der Ausbildung zur Pflege entsprechend sensibilisiert?
Wie kommt es, dass Du in Ausbildung stehst mit 40? Wie kannst Du Dir das momentan finanziell leisten? Was hast Du vorher gemacht und wie kam der Wandel, wenn Du das an dieser Stelle sagen möchtest.
Gestern habe ich unter einem anderen Thema von Deinen Reiki-Erfahrungen gelesen und war sehr angetan davon. Auch da bin ich gedanklich schon länger dran, bin es aber noch nicht praktisch angegangen. Bis vor kurzem war ich finanziell so eingeschränkt, dass so etwas nicht drin war. Ein Angebot über kostenloses Fern-Reiki im Internet hat mich zwar davon überzeugt, dass das grundsätzlich möglich ist und auch nicht notwendig Geld dafür zu verlangen, aber mir wäre das Persönliche dann doch lieber, wo ich die Person sehen kann und spüren mit wem ich es da zu tun habe. Mal sehen...
Ich wünsche Dir einen im Herzen warmen 2. Advent und eine gesegnete Vorweihnachtszeit.
Ich finde auch das man sowas nicht an der Ausbildung fest machen kann, es gibt viele examinierte die nicht mit Herz bei sterbenden Patienten sind, sondern ihre große Mühe damit haben.
Guten Morgen zusammen! Ja, ich gebe euch recht - es hängt nicht unbedingt davon ab, ob jemand ausgebildet ist oder nicht. Die Persönlichkeit des einzelnen und das kollegiale Umfeld spielen eine große Rolle, inwiefern sich jemand mit dem Herzen der Arbeit widmet.
Ich bin beim Arbeiten bestrebt, die Menschen als Ganzes zu sehen, was wir in der Ausbildung sehr gut lernen. (z. B. in Psychologie: Kommunikation, Krisenbewältigung, Umgang mit Aggressionen und Gewalt; Didaktik u. Methodik, Altenkrankenpflege: Wie kann ich einem Arzt mein Fachwissen über Wundbehandlung nahebringen, ohne dass er sich fachlich auf den "Schlips" getreten fühlt, weil er davon nicht so viel weiß oder nicht auf dem neusten Stand ist? ; Basale Stimulation; Neurologie: Erkrankungen des Gehirns, Ursachen, Therapie u.v.m.)
Einige Kollegen wollten mir weismachen, dass ich nicht schnell genug arbeite und zuviel "Händchen halte". Ich konnte ihnen - jedenfalls einigen - beweisen, dass ein menschlicher Umgang keineswegs mehr Zeit kostet als ihr forsches Rangehen und teilweises Rumkommandieren. Wenn sie wie eine Allmacht ins Zimmer schneien und Befehle erteilen, geht es keineswegs schneller, weil der alte Mensch in Opposition geht und sich fremdbestimmt fühlt oder gar nicht versteht, was man von ihm will. Und wenn ich einem Verwirrten / Dementen zum 100. Male erkläre, was ich tue, weil er es jeden Tag vergessen hat, dann erkläre ich es ihm zum 100. Male oder gehe auf Körpersprache mit ihm, damit er mitarbeitet und sich wohlwollend angenommen fühlt. Leider verstehen das nicht alle Kollegen so...
Was ich immer lustig finde, wenn gefragt wird, wie ich als Bürotante zur Pflege komme, wo das ja soooo ganz anders ist. Der Mensch hat doch mehr, als nur ein Talent!!! Wenn man sich überlegt, wie schwierig Jugendlichen die erste Berufswahl fällt, wird das doch ganz deutlich! Man hat normalerweise mehrere Interessengebiete, die einen faszinieren. Oft fehlt dem Menschen auch die Einsicht, was andere Berufe beinhalten. Ich habe Einsicht bekommen, zunächst privat, dann beruflich, und nun macht es mir so viel Freude, dass ich mich frage, wieso ich das nicht schon eher angegangen bin.
Leisten kann ich mir die Umschulung eigentlich gar nicht, aber besser 3 Jahre knapp bei Kasse sein als auf ungewisse Zeit weiterhin ohne Arbeit dazustehen oder im Bürobereich als Ostdeutsche im Westen weiterhin mit Dumping-Lohn auskommen zu müssen... (Im letzten Bürojob hatte ich weniger Gehalt, als die Putzfrau der Chefin in ihrem Privathaushalt!)
Ja ja die anderen Leute. Mir wollte man im Praktikum (ambulante Pflege) auch weißmachen es wäre nicht das richtige für mich. Nur weil Waschen und anziehen noch so meine Probleme hatte. Wie soll das auch alles wunderbar klappen wenn man noch 5 Wochen Theorie das erste mal praktisch arbeitet und einem auf die Finger geschaut wird. Ist doch klar das es am Anfang nicht so klappt wie bei einem der das jahrelang macht. Dann musst ich mir von 2 (mit denen ich mitgegangen bin) anhören, Sie wären 3 Tage mitgegangen und wären dann alleine auf Tour gegangen. Ja ja, und im Himmel ist Jahrmarkt Ein Tag hab ich ja noch, weil es mir Freitag nicht gut ging und jetzt wo ich reingeschnuppert habe,wird es besser klappen. Also ich mach schon meinen Weg, denn ich weiß ja eigentlich dass ich mich nicht wirklich verstecken muss.
Genau, lieber Ingo, ... und im Himmel ist Jahrmarkt! Danke für diesen Spruch, den werde ich bei der nächsten Auseinandersetzung anbringen und selbstbewusst bei meinem bleiben. :o)
Mir sind auch die Pfleger lieber, die vorsichtig an die alten Menschen rangehen, erstmal gucken, was mit ihnen los ist, was geht und was nicht, als solche, die übermäßig forsch einfach zugreifen, ohne Rücksicht, ob es dem anderen weh tut oder er sich unangenehm berührt fühlt.
So eine Einarbeitung geht niemals von heute auf morgen. Wir stehen ja nicht am Fließband und drehen immer wieder dieselbe Schraube rein! Ich drücke dir alle verfügbaren Daumen, dass du gut durchkommst und dass du anschließend einen Arbeitgeber findest, wo du Freude am Arbeiten hast.
ich habe auch ein paar Erfahrungen aus der Altenpflege! Gelernt habe ich es nicht.
Aber ich habe es bald gemerkt, daß es nicht wirklich meine Erfüllung war! Ich habe die Zeit über, die ich mit den Menschen direkt oder auch nur in ihren Zimmern zu tun hatte immer geredet, ... bei Füttern geredet, ... beim Putzen geredet und auch beim Wäsche zusammenlegen und einsortieren! Zwei mal habe ich eine Stelle verloren, weil man mir sagte, daß ich zuviel mit den Leuten reden und das Arbeiten vergessen würde! Früher lies ich mir das einreden, heute weiß ich, daß es Eifersucht der gelernten Pflegerinnen war, ... denn ich war erst so kurz dabei und die alten Menschen fragten dauernd nach mir, sogar die psychisch schweren Fälle! Und das war natürlich schlecht!! Ich habe es dann gelassen, denn es lag mir nicht, die Menschen, wie Ware zu behandeln! Jetzt gehe ich Leute im Altersheim besuchen und rede mit ihnen, oder meine Pfarrleute fragen mich, ob ich noch Zeit habe, eine Frau zu besuchen! Ich mache es, weil es mir Freude macht! Ich habe auch schon in der Nachbarschaftshilfe gearbeitet, ... da habe ich mir eine Std. für´s Putzen zahlen lassen und die zweite Stunde habe ich einfach etwas gemacht, was sich die Leute gewünscht haben, .... sie wollen erzählen, sie wollen wahrgenommen werden! Manchmal habe ich vorgelesen und mit einer Dame habe ich ab und zu Halma gespielt. Mir liegt das wohl, ... schon von Klein auf!
Alles Gute, MSty!
Als Mensch zu den Menschen gehen, ... das ist eine Aufgabe!