In einem Moment, in einem Augenblick unseres Lebens war er plötzlich da: der Wunsch, sich in der Hospizbewegung, in der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen zu engagieren.
Viele Aussenstehende mögen sich fragen: Wie kommt jemand dazu, eine solche Tätigkeit freien Willens und dazu auch noch ehrenamtlich zu verrichten?
Ja, eine recht kluge Frage, welche wir hier beantworten können: Warum bin ich Sterbebegleiter / in und engagiere mich in der Hospizbewegung?
Wie ich auf den Gedanken gekommen bin , ehrenamtlicher Sterbebegleiter zu werden. Ich bin sehr oft in einen Pflegeheim eingesprungen und habe dort gesehen ,das Sterbende allein gelassen werden . Ein Fall war eine Pat. hat vor angst geschrien ,weil sie einen Mann an ihrem Bett gesehen hat ....eine Nonne ist ins Zimmer rein hat geschaut was los ist ,alles Ok , und sofort hat sie das Zimmer wieder verlassen. Die Pat. wurde mit ihrer Angst allein gelassen Da ich mehrere solcher Vorfälle beobachtet habe ,dachte ich , das kann es nicht sein. Ich habe mir seitdem viele Gedanken darüber gemacht ,bis mein Entschluss feststand zu helfen.
Es wäre jetzt sicher interessant, zu erfahren, was für Gedanken Du nach Deinem Schlüsselerlebnis hattest, wie diese aussahen. Um besser zu verstehen und nachzuvollziehen, was Dich letztendlich zu dem Entschluss geführt hat, Sterbebegleiter / in zu werden.
Das sind ja schon einmal zwei wichtige Aspekte, welche Du erfasst hast: Es besteht die Tatsache, das sehr viele Menschen einsam und allein sterben. Die Schrecknis dabei ist nicht das Sterben und der Tod an sich, sondern das die Pflegenden nicht damit umgehen können. Weil sie dafür nicht oder nur mangelhaft ausgebildet wurde. Somit haben diese Menschen weiterhin Angst vor dem Sterben wie dem Tod, und um diese Angst zu vermeiden, geht man dem Angstmachenden aus dem Wege.
Der zweite Aspekt ist, das man in Krankenhäuser und auch Pflegeeinrichtungen Sterben und Tod eines Menschen immer noch als ein Versagen der eigenen Hilfe betrachtet. Wenn nicht mehr kurativ, also auf Heilung bezogen, geholfen werden kann, wird der schwerstkranke und sterbende Mensch einfach aufgegeben und seinem weiteren Schicksal überlassen.
Was wäre denn jetzt entgegen den Schrecknissen eines solchen Sterbens und eines solchen Todes das Beste, was man für schwerstkranke und sterbende Menschen tun kann?
Ich finde die Nonne hätte sich wenigstens 5 minuten zu der Patientin setzen und ihre Hand halten und vielleicht auch etwas mit ihr sprechen können.Ich habe sowas nicht einmal in dem Pflegeheim gesehen,schön ab und zu stellen sie leise ein Radio an,das war es dann schon.
Also erachtest Du, wie ich aus Deinen Worten entnehme, das Zeit eine wichtige Rolle bei der Begleitung und Betreuung eines schwerstkranken und sterbenden Menschen spielt. Zeit in der Form, sich in dieser einem schwerstkranken und sterbenden Menschen Zuzuwenden. Sich in dieser Zuwendung diesem Menschen zu widmen, ihn und seine Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen, für ihn da zu sein.
Was bedeutet eine solche Zuwendung für Dich persönlich?
Weil mein Mann Krebs hatte und ich mich nie zuvor und auch nie wieder danach so einsam gefühlt habe. Mein Mann hat übrigens überlebt..:)
Später bat mich eine Freundin, mit ihr zu ihrer Mutter ins KH zu gehen. Mitten in der Nacht. Die alte liebe Dame lag in einem *Abstellraum*. Wenn wir nicht gewesen wären, wäre sie mutterseelenallein gestorben. Meine Freundin ist unendlich glücklich, daß sie ihrer Mutter begleiten konnte.
Und ich habe selten so einen friedlichen Moment erlebt wie den des Todes. Da war nichts *Schlimmes*. (Seitdem bin ich mir übrigens nicht mehr so sicher, ob es vielleicht doch einen Gott gibt..? - und das sagt eine eingefleischte Atheistin.)
Dann habe ich den Ehrenamtlichen Kurs gemacht und arbeite seit etwas über einem Jahr hauptamtlich im Hospiz. Kein Mensch sollte einsam sterben und kein Angehöriger sollte vor Angst und Unsicherheit nicht wissen, was er tun kann (oder eben auch nicht tun kann)
Ich war eine Weile nicht zu Hause, ... 7 Wochen Kur!!! Das tat gut und es geht mir wieder viel besser!
Ich muß gerade mal ein wenig sortieren, wie es bei mir begann, ... es war auf jeden Fall die Zeit, da ich hier in dieses Viertel zog (vor etwa 10 Jahren)! Meine Tochter fing ihre Lehre als Gärtnerin an und dazu gehörte auch die Friedhofsbepflanzung! Da ich nicht weit von ihrer Arbeitsstelle wohne, kam sie immer in ihrer Mittagspause und oft ging ich auch über den Friedhof spazieren, wo ich sie und ihr Team manchmal traf! Mit der Zeit waren mir die nicht nur die Gärtner sondern auch die Friedhofsarbeiter bekannt. Manchmal kamen Einige zur Mittagspause mit. Ich hörte gerne aufmerksam zu, was sie so alles zu tun hatten! Eines Tages sagte der Eine Arbeiter, daß er nun 14 Tage im Krematorium aushelfen müsse, da dieser Arbeiter Urlaub hat. Ich fragte ihn, ob ich mir mal Jemand ansehen dürfe, der gestorben ist. Er zeigte mir zwei Tote und wollte wissen, ob ich einen Unterschied empfinde. Ich durfte mir Zeit nehmen! Ja, ... ich bemerkte einen Unterschied: Eine verstarb ganz friedlich und sie schien ein Hauch von Lächeln in ihrem Gesicht zu haben ... und der Zweite: Er kämpfte und sah noch immer sehr verkrampft aus! Ich informierte mich noch über Verbrennungen und viele andere Sachen! Ich hatte mit meiner Tochter besprochen, wie ich meine Beerdigung gerne hätte und das war´s erst mal! Dann kehrte Ruhe über das Thema ein! Dann ging ich ins Rote Kreuz. Nach einer Weile wurde dort ein Kurs angeboten, der die Betreuung von Hinterbliebenen oder von nicht Verletzten an Unfallorten vorsah! Ich meldete mich dort an und bin nun immer noch dabei!Fast gleichzeitig (2000) fing ich als Aushilfsmesnerin an (Hausmeister der Kirche!) Irgendwann fragte mich mein Pfarrer, ob ich mir vorstellen könnte, eine Dame aus der Gemeinde auf dem letzten Weg zu begleiten. Ich sagte, daß ich soetwas noch nicht gemacht habe, aber ich würde es versuchen! Ich kannte die Dame bereits aus dne Gottesdiensten. Sie erzählte sehr viel und ich bemerkte, daß sie sehr gut auf den Tod vorbereitet war! Und ich war erstaunt, welch innerliche Ruhe ich hatte und überhaupt keine Angst vorhanden war! Eines Abends, als ich kam, sagte sie: Ich habe schon auf Dich gewartet, denn ich habe mir gewünscht, daß Du jetzt bei mir bleibst, es ist bald soweit! Sie war so klar im Kopf! Ich hielt ihre Hand, .. oder sie Meine? Es war ein sehr eigenartiges Gefühl, sehr ergreifend und ich genoß es gleichermaßen, wie sie! Sie sagte noch: Ich hätte nie gedacht, daß ich noch einmal eine so intensive Freundschaft erleben darf, ich danke Dir dafür. Es ist so schön, nicht alleine zu sein. Jetzt, ... jetzt regt sich was! Und sie drückte meine Hand und verstarb mit einem Hauch von Lächeln auf dem Gesicht, jenes Lächeln, das ich schon mal sah! Und auf diesem oder ähnlichen Wegen kam ich bisher fünf mal zur Sterbebegleitung!
Wenn ich demnächst weiß, wie es mit mir weitergeht, ... Rente!?!?! oder nicht, dann möchte ich mich noch ein wenig in diese Tätigkeit vertiefen, ... vielleicht bei Kindern!?
Alles Gute, MSty!
Als Mensch zu den Menschen gehen, ... das ist eine Aufgabe!
In Antwort auf:Wenn ich demnächst weiß, wie es mit mir weitergeht, ... Rente!?!?! oder nicht, dann möchte ich mich noch ein wenig in diese Tätigkeit vertiefen, ... vielleicht bei Kindern!?
Ein 5-jähriges Mädchen stellte mal seiner Mutter die Frage: "Mama, kann man im Himmel Regenbogen malen?". Dieses Mädchen litt zum Zeitpunkt seiner Frage an dem zweiten Rückfall seiner Leukämie. Einige Tage zuvor hatten die Eltern des Mädchens mit den behandelnden Ärzten entschieden, keine weiteren intensiven Behandlungen mehr durchzuführen, da eine Heilung nicht mehr möglich war. Dieses 5-jährige Mädchen wird also sterben.
Was man hier in diesem einen Beispiel von vielen, wie sie jeden Tag geschehen, sehr schön aufzeigen kann, ist, das man trotz einer solchen tödlichen Diagnose einem Kind in seinen letzten Lebenstagen oder-wochen noch vieles schenken kann, indem man es begleitet und ihm noch sehr viel an Liebe, Geborgenheit und Lebensqualität schenkt.
In der Sterbebegleitung von Kindern müssen immer aber auch die Eltern, Geschwister, weitere Angehörige und Freunde begleitet werden, indem man sie auch in das Begleiten des sterbenden Kindes, insoweit möglich, mit einbindet. Z.B. gehen den Eltern im obigen Beispiel sehr viele Fragen durch den Kopf, wie:
Haben wir mit dem Abbrechen der Behandlung für unser Kind die richtige Entscheidung getroffen?
Andere Fragen sind rein praktischer Nator, weitere beruhen auf Unsicherheiten von Gefühlen und Ängsten.
Welche Probleme kommen zu Hause in der Pflege auf uns zu?
Wie werden sie und die Geschwister auf die Anforderungen der nächsten Tage reagieren?
Was würde sie ihre Tochter noch fragen und wie sollten sie darauf antworten?
Ein Kind auf dem Weg seines Sterbens zu begleiten heisst auch, die altersentsprechenden Vorstellungen eines Kindes über Tod und Sterben zu respektieren und zu achten. Das sterbende Kind steht hier immer mit seinen Bedürfnissen und Wünschen und Vorstellungen im Mittelpunkt, denn es ist sein Leben und damit auch sein Sterben. Sterbebegleitung von Kindern ist aber auch eine Orientierungshilfe im Umgang mit den Empfindungen der Geschwister, des Partners, der Freunde und Angehörigen wie auch nicht zuletzt der eigenen Trauer.
Sterbebegleitung eines Kindes bedeutet, das nur das sterbende Kind selbst vorgeben kann, wie seine letzten Lebenstage aussehen sollen. Es ist die Achtung und der Respekt vor dem Willen des Kindes oder Jugendlichen, welcher die Angehörigen und Begleitenden leitet. Liebe, Zuwendung und Geborgenheit gehören zu den wesentlichen Bedürfnissen eines sterbenden Kindes.
Wer Kinder und Jugendliche durch ihr Sterben in den Tod begleitet, schenkt ihnen durch Liebe, Zuwendung und Geborgenheit das Licht ihres Weges, welches sie in den Frieden führt.
Es wäre sehr schön, wenn Kinder und Jugendliche mitfühlende und liebevolle Menschen finden, welche sie an die Hand nehmen und Hand in Hand mit ihnen diesen Weg zusammen und gemeinsam gehen.
Liebe MSty, vielleicht findest Du ja, wenn Du Dich mit dieser Thematik näher beschäftigst, in der Begleitung von Kindern und Jugendlichen Deine Berufung,:O)
Lieber Gruss,:O)
Ahasveru, welcher sich für September dieses Jahres für einen Kurs bei einem ambulanten Kinderhospizdienst beworben hat, um Kinder und Jugendliche in ihrem Sterben zu begleiten.
"Ahasveru, welcher sich für September dieses Jahres für einen Kurs bei einem ambulanten Kinderhospizdienst beworben hat, um Kinder und Jugendliche in ihrem Sterben zu begleiten."
Wo gibt es diese Kinderhospizdienst Ausbildungen?
Doch ich traue mir das zu, weil ich doch ein recht phantasievoller Mensch bin und mit den Kindern denken kann. Und im Betreuen der Hinterbliebenen habe ich doch schon ein paar Jahre Übung! Ich weiß natürlich, daß es ein Unterschied sein wird zu Hinterbleibenden!
Alles Gute, Marita!
Als Mensch zu den Menschen gehen, ... das ist eine Aufgabe!
In Antwort auf:Wo gibt es diese Kinderhospizdienst Ausbildungen?
Diese Ausbildungen gibt es bei Ambulanten Kinderhospizdiensten oder auch bei stationären Kinderhospizen. Du musst mal schauen, ob in Deiner Nähe solche Einrichtungen und Dienste eventuell bestehen und ob diese Kurse anbieten,:O)