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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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und wurde 433 mal aufgerufen
 Allgemeines zu Sterben, Tod und Trauer
Jana78 ( Gast )
Beiträge:

25.10.2005 19:25
Die Erforschung des Todes 5 (2) antworten

GralsWelt: Sie haben viele Workshops geleitet, auch in Gefängnissen. Stimmt es, daß Sie dabei unter den gleichen Bedingungen gelebt haben wie die Gefangenen?

Elisabeth Kübler-Ross: Natürlich, das war meine Bedingung. Wir mußten alle gleich leben, alle, ohne Ausnahme. Und es ist ein einmaliges Erlebnis, eine Woche in einem Gefängnis zu wohnen, wo man friert und keine Decken und kein Kissen hat. Ich habe damals Pillen genommen für den Blutdruck, und gleich am ersten Tag hat mir jemand alle meine Pillen gestohlen. Aber komischerweise habe ich keinen Schlag bekommen. Und erst das Essen …!

Aber am letzten Tag gab es eine Überraschung. Wir wurden vom Direktor des Gefängnisses eingeladen zu einem Nachtessen. Es gab ein Schweizer Essen. Es war das beste Schweizer Essen, das ich je gegessen habe in meinem ganzen Leben. Der Küchenchef hat sich freiwillig offeriert, das für alle zu kochen. Ah, war das gut. Nach einer Woche Gefängnis schmeckt natürlich alles gut, aber das war wunderbar. Und dann haben sie gejodelt und ein Alphorn geblasen. Also alles superkitschig, aber richtig (sie schnalzt) Schweiz … das war lieb.

GralsWelt: Was ist für Sie die eigentliche Essenz Ihres Lebens und Ihres Werkes?

Elisabeth Kübler-Ross: Die Patienten ein bißchen menschlicher und ehrlicher zu behandeln. Vor 50 Jahren hat man das hier nicht gekannt. Und jetzt verlangen das die Patienten. Es sind nicht viele Ärzte und Schwestern, die dazu bereit sind, aber es gibt doch solche, die etwas gelernt haben.

GralsWelt: Was ist für Sie der Sinn des Lebens?

Elisabeth Kübler-Ross: Wachstum, spirituelles Wachstum.

GralsWelt: Ja, aber wie erreicht man das?

Elisabeth Kübler-Ross: Indem man seine unerledigten Geschäfte erledigt. Wer ein höheres Bewußtsein erreichen will, muß auch lernen, seine Gedanken, Worte und Taten unter Kontrolle zu haben. Ich möchte viele Leute erschießen, die mich besuchen kommen, unter dem Vorwand, daß sie mich gern haben und mir Blumen bringen. Eine dicke Lüge, denn die wollen alle etwas! Aber wenn man die Leute auch nicht erschießt und den Mund hält, dann muß man auch noch seine Gedanken kontrollieren.

GralsWelt: Das ist sicherlich eine der schwierigsten Aufgaben im Leben.

Elisabeth Kübler-Ross: Ja. Das machen wenig Leute. Ganz wenig Leute. Aber wenn man es tut, dann wird man so, wie man geschaffen wurde.

GralsWelt: Haben Sie Ihre Gedanken unter Kontrolle? Sie sind ja jemand, der sehr offen und sehr direkt ist und durchaus auch entsprechende Worte gebraucht.

Elisabeth Kübler-Ross: Aber immer ehrlich. Das ist viel wichtiger, als so zuckersüß und so scheinheilig zu sein.

GralsWelt: Wenn man sich mit dem Schicksal beschäftigt, stellt sich oft die Frage, warum manche Menschen so früh sterben müssen. Wenn ein 20jähriger einen Unfall hat, dann ist es für die Angehörigen ja oft sehr schwer, damit umzugehen. Wie denken Sie darüber?

Elisabeth Kübler-Ross: Alle plötzlichen Todesfälle sind sehr schwer. Schwieriger zu erledigen als langsames Sterben. Das sind dann Lektionen für die Angehörigen, nicht für das Kind. Und wenn jemand Alzheimer hat, sind das auch Lektionen für die Angehörigen in bedingungsloser Liebe. Selbst wenn Deine Mutter dich nicht mehr kennt, kannst Du trotzdem versuchen, sie mit Liebe zu behandeln. Das sind wunderbare Lehren. Und die Menschen denken, es sei ein Fluch und merken nicht, daß es ein Segen ist. Ich muß leider zugeben, daß der Herrgott schon weiß, was er macht.

GralsWelt: Auch in Ihrem Fall?

Elisabeth Kübler-Ross: Ja, leider.

Das Gespräch führte Bernard JAKOBY.

Der Autor ist Dozent für Sterbeforschung in Berlin und Buchautor („Auch Du lebst ewig – Die Ergebnisse der modernen Sterbeforschung“, Langen Müller, 2000). Er arbeitet seit vielen Jahren als Sterbebegleiter, leitet Seminare und Gruppen über den angstfreien Umgang mit dem Sterben und ist Berater auf diesem Gebiet.

Quelle:www.gral.de

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