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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Allgemeines zu Sterben, Tod und Trauer
Jana78 ( Gast )
Beiträge:

25.10.2005 19:23
Die Erforschung des Todes 5 (1) antworten

Ohne sie gäbe es das, was wir heute „Sterbeforschung“ nennen, vermutlich nicht – oder zumindest nicht in dieser Form. Elisabeth Kübler-Ross war die große Pionierin der Thanatologie. Ihre Arbeit mit Menschen, die an der Schwelle zum Tod standen, führte sie zu der Überzeugung, daß es ein Fortleben nach dem Tod gibt – und beeinflußte unzählige Forscher, darunter Dr. Raymond Moody, den die GralsWelt im Rahmen dieser Serie ebenfalls bereits als Interview-Partner gewann.
Das folgende Gespräch mit Elisabeth Kübler-Ross führte Bernard JAKOBY, selbst Dozent für Sterbeforschung, im Februar 2000 in Phoenix, Arizona (USA).

GralsWelt: Als Sie vor einigen Jahren in Ihr Haus hier einzogen, erlitten Sie einen Schlaganfall, wie geht es Ihnen jetzt?

Elisabeth Kübler-Ross: Am 13. Mai 1995 hatte ich meinen ersten schweren Schlaganfall. Ich konnte mich nicht mehr bewegen und kam ins Krankenhaus. Ich mag keine Spitäler, weil sie einen eher krank machen, als daß sie einem helfen. Es sollte viel mehr Menschen geben wie Josef, meinen Heiler, der mir meine höllischen Schmerzen genommen hat, die ich nach den Schlaganfällen bekommen hatte.
Seitdem geht es mir viel, viel besser. Ich kann mich jetzt bewegen, kann zu Fuß ins Bett gehen, vom Bett in den Stuhl. Ich kann selber auf den Topf gehen, kann selber ein Bad nehmen. Aber trotzdem ist das hier kein Leben, das ist Existieren, Vegetieren. In meinem schrecklichen Krankenbett kann ich mich nicht einmal richtig ausstrecken.

GralsWelt: Sind denn jeden Tag irgendwelche Angestellte hier?

Elisabeth Kübler-Ross: Nein, die Anna kommt dreimal die Woche. Den Rest der Zeit bin ich alleine. Wenn Anna nicht da ist, muß ich von Brot und Käse und Wasser leben. Das langweilt mich.

GralsWelt: Bekommen Sie hier viel Besuch?

Elisabeth Kübler-Ross: 90 Prozent von allen Leuten, die in dieses Haus kommen, sagen: „Oh, wir lieben Dich! Und alles Liebe und Schöne! Wir bringen Dir Blumen.“ Aber die wollen alle etwas. Brauchen nur ein Vorwort für ihr Buch, das ist alles! Daß ich das nicht mehr halten und lesen kann, das interessiert die überhaupt nicht! Sie wollen nur ihr Vorwort – und dann gehen sie wieder.

GralsWelt: Über Ihr Leben soll jetzt ein Film produziert werden – begonnen bei Ihrer Geburt als Drilling. Sie stammen aus der Schweiz. Hat Sie das irgendwie geprägt?

Elisabeth Kübler-Ross: Ein Drilling zu sein, das wünsche ich nicht einmal meinem größten Feind. Es ist wie das Klonen von Menschen. Ich habe immer ein gutes Verhältnis gehabt mit meinen Schwestern, aber wir hatten keine eigene Identität. Mit Tod und Sterben umzugehen, war für mich nie schwer. Im Unterschied zu der Schweiz sagen die Ärzte hier in Amerika ihren Patienten selten die Wahrheit. Sie sagen den Leuten nie, daß sie Krebs haben. Man hört überhaupt nicht auf die Patienten. Ich habe deshalb einen großen Krach gemacht und war nicht immer beliebt bei den Ärzten.

GralsWelt: Sie haben doch dazu beigetragen, Sterben und Tod aus dem Tabubereich zu holen.

Elisabeth Kübler-Ross: Ja, aber von den Dingen, die ich vierzig Jahre lang gelehrt habe, wird wenig angewendet.

GralsWelt: Was denken Sie denn eigentlich zu dem vieldiskutierten Thema „Aktive Sterbehilfe“?

Elisabeth Kübler-Ross: Da bin ich total dagegen. Das ist genau, wie wenn man jemandem hilft, sich das Leben zu nehmen. Das ist nicht in Ordnung.

GralsWelt: Sie wissen ja vielleicht, daß in Holland aktive Sterbehilfe erlaubt ist. Und auch die Schweiz tendiert in diese Richtung. Dort gibt es diese Organisation für Sterbehilfe namens „Exit“.

Elisabeth Kübler-Ross: Ja, meine Schwester, ein Hypochonder, hat sich eingebildet, einen Hirntumor zu haben. Innerhalb einer Woche hat sie Post bekommen von „Exit“, wie sie sich das Leben nehmen kann. Und die ist 74 Jahre alt, ganz gut beisammen und hat ein schönes Leben. Sie wäre an Selbstmord gestorben, wenn sie auf „Exit“ gehört hätte und ich sie nicht davon abgehalten hätte.

GralsWelt: Wie erklären Sie sich, daß immer mehr Menschen aktive Sterbehilfe wünschen?

Elisabeth Kübler-Ross: Weil sie zuwenig echte Hilfe bekommen, gute Hilfe und liebevolle Pflege. Statt daß man denen ein Hospiz gibt, wo man gute Hilfe bekommt und liebevolle Pflege.

GralsWelt: Was würden Sie denn allen Menschen sagen, damit sie keine Angst mehr vor dem Tod haben müssen?

Elisabeth Kübler-Ross: Es ist so stupid, Angst zu haben. Wichtig ist, nicht mit Haß im Herzen zu sterben. Wenn Du mit jemandem einen Streit hast, schließe Frieden und vergib ihm sofort! Wenn Du ein ehrliches Leben führst und ein Ausgleich zwischen Geben und Nehmen besteht, gibt es überhaupt kein Problem und keine Angst vor dem Tod. Mein spezifisches Problem war es mein Leben lang, daß ich gegeben und gegeben habe und nichts dafür genommen habe.

Und leider muß ich diese Lektion jetzt auf die harte Weise lernen. Von anderen Menschen abhängig zu sein, ist nicht meine Tasse Tee. Ein elendes Sterben. Aber ich habe es selbst herbeigeführt, weil ich die Ausgewogenheit zwischen Geben und Nehmen nicht erkannt habe.

GralsWelt: Bevor Sie hierher kamen, haben Brandstifter Ihr Haus angezündet. Warum eigentlich?

Elisabeth Kübler-Ross: Die haben mein Haus abgebrannt, weil ich 20 AIDS-Babys adoptieren wollte. Das ist Grund genug, ein Haus abzubrennen – mit allem, was ich 70 Jahre gesammelt habe! Alle Post, Schachteln von Photographien, Kassetten, alle Souvenirs von Afrika, Australien, den Aborigines, von den Eskimos, alles ist verbrannt, meine zehntausend Bücher und Kassetten. Und das im Namen von „guten Christen“, im Namen Gottes.

Das bringt einen zum Kotzen. Aber der Brand war ein Segen, weil ich nicht packen mußte. Ich habe nur gehabt, was ich auf dem Körper trug. So bin ich nach Phoenix gefahren. Das Haus hat fünf Tage und fünf Nächte gebrannt. Die Brandleger, alles Schwarze, waren davon überzeugt, daß ich die AIDS-Babys nur adoptieren wollte, damit das ganze Dorf AIDS bekommt und stirbt. Da habe ich gesagt: „Wie dumm seid ihr? Wie wollt Ihr von diesen Kindern AIDS bekommen?“ – „Ja, wenn du die begräbst, dann kommt das AIDS-Virus ins Grundwasser!“

GralsWelt: Das ist ja unglaublich, und das am Ende des 20. Jahrhunderts! Aber was war das denn für ein Gefühl für Sie, als Sie plötzlich Ihr eigenes Haus in Flammen sahen? Mit all den Beweisen, die Sie vom Leben nach dem Tod gesammelt hatten?

Elisabeth Kübler-Ross: Das waren nur Dinge. Die Erinnerung kann Dir niemand stehlen, das ist die Wahrheit. Und die Liebe zu den Indianern und zu den schwarzen Menschen kann mir niemand nehmen. Für die Kinder habe ich Adoptiv-Eltern gefunden, denen geht es gut. Die schreiben mir heute noch. Ich hatte sie damals schon ausgewählt, hatte schon angefangen zu organisieren.

Wir wollten in Virginia eine Art Gemeinschaft gründen. Ich hatte 300 Hektar Land, eine wunderbare Farm mit 15 Lamas, 50 Schafen, ganz vielen Kühen und Pferden, Eseln, zwei Bernhardinerhunden, zwei Pfauen und 50 Hühnern. Eine schöne Farm, sehr gepflegt, ich habe sehr viel Geld und sehr viel Arbeit darein gesteckt. Die Kinder sollten es schön haben und mit Tieren leben können. Aber es sollte nicht sein. Ich habe nicht gewußt, daß ich einen Schlaganfall bekomme. Ich hätte die Kinder nicht erziehen können.

GralsWelt: Sie haben ja selber auch Nahtoderfahrungen gemacht …

Elisabeth Kübler-Ross: Ja, aber ich bin nie durch einen Tunnel gegangen. Immer, immer erlebte ich eine Schweizer Alpenwiese mit Blumen. Überall ist Licht und Blumen und viele Farben. Kein Tunnel. Ich glaube, klaustrophobische Leute gehen nicht durch einen Tunnel. Alle klaustrophobischen Patienten, die ich kenne, sind über eine Brücke oder Wiese oder ähnliches gegangen.

GralsWelt: Sie haben selber diese Lichterfahrung gemacht, von der im Rahmen von Todesnähe-Erlebnissen immer wieder die Rede ist. Können Sie das beschreiben?

Elisabeth Kübler-Ross: Nein, das kann man nicht beschreiben. Es ist einfach bedingungslose Liebe. Es ist einfach himmlisch, das ist die beste Beschreibung. Man will nicht mehr zurückkommen. Niemand, den ich kenne, wollte zurückkommen. Außer wer was Schlechtes getan hat, der will schon zurückkommen, um das gutzumachen, damit er dort bleiben darf.

GralsWelt: Was sagen Sie dazu, daß Ihre Arbeit und Ihre Ansichten immer noch sehr umstritten sind?

Elisabeth Kübler-Ross: Das ist mir doch hundeschnurz, wirklich egal. Das ist nicht mein Problem, das ist das Problem der anderen. Viele möchten das glauben oder möchten das selber erleben, und können nicht. Dann sagt man, ich bin verrückt, oder ich hab zu viele sterbende Leute gesehen.

GralsWelt: Wie sollten sich die Menschen besser auf den Tod vorbereiten?

Elisabeth Kübler-Ross (lachend): Sie sollten eine Woche Ferien machen auf dem Friedhof!

GralsWelt: Sie meinen, wir müßten uns mit dem Tod in natürlicherer Weise auseinandersetzen?

Elisabeth Kübler-Ross: Man sollte schon Kinder beim Sterben miteinbeziehen, sie nicht ausschließen. Man sollte sie beim sterbenden Großvater auf den Knien sitzen lassen, damit sie ihn berühren und streicheln können. Und ihnen nicht solche Geschichten erzählen wie: „Er ist zum Jesus gegangen.“ Die Kinder mögen es nicht, wenn man lügt.
Und dann verbringen sie ein, zwei Tage auf dem Friedhof und sprechen zu dem Großvater und haben auf diese Weise keine Angst mehr vor dem Tod. Dadurch behalten sie den Kontakt mit ihrem Großvater. Das ist wahrhaftige Erziehung. Diese Kinder werden später keine Angst vor dem Tod haben. Wenn es ihnen erlaubt ist, beim Sterbenden zu sein, von ihm Abschied zu nehmen und an der Beerdigung teilzunehmen, wird der Abschied akzeptiert. ...

Quelle:www.gral.de

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