Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Augenblicke zwischen Leben und Tod


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 518 mal aufgerufen
 Allgemeines zu Sterben, Tod und Trauer
Jana78 ( Gast )
Beiträge:

25.10.2005 19:19
Die Erforschung des Todes 4 antworten

Seit etwa 30 Jahren befaßt sich ein eigener Wissenschaftszweig – die Thanatologie (griech. thanatos = Tod) – mit den Vorgängen rund um das Sterben des Menschen. Die GralsWelt widmet der „Erforschung des Todes“ eine mehrteilige Interview-Serie, in der Persönlichkeiten Rede und Antwort stehen, die ihre eigene Forschungstätigkeit der wohl grundlegendsten Lebensfrage des Menschen gewidmet haben, nämlich: Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Nach dem amerikanischen Psychiater und Philosophen Dr. Raymond Moody kommt diesmal Bernard JAKOBY zu Wort. Er arbeitet seit vielen Jahren als Dozent für Sterbeforschung und als Sterbebegleiter in Berlin, leitet Seminare und Gruppen über den angstfreien Umgang mit dem Sterben und Todesnäheerlebnissen und ist Berater auf diesem Gebiet.



GralsWelt: Praktisch alle Menschen, die durch Todesnähe-Erfahrungen größere Sinnzusammenhänge erkannten, sind darum bemüht, ihr Leben in einem tieferen, geistigeren, bewußteren Sinn zu erneuern. Wahrscheinlich gilt das, was sie nach ihrem Erlebnis für sich erstreben, im Grunde ja für jeden Menschen …

Jakoby: Menschen mit Nahtoderlebnissen verlieren die Angst vor dem Tod, weil sie in der Begegnung mit dem Licht mit der wohl größten vorstellbaren Liebe konfrontiert worden sind. Sie gewinnen durch eigene Anschauung und Erfahrung eine Art Urvertrauen in die Schöpfung. Durch die Lebensrückschau erfahren sie, daß jede Handlung, jeder Gedanke und jedes Wort im Leben Konsequenzen hat. Es gibt keinen Zufall im Universum. Alles, was uns im Leben widerfährt, selbst die schlimmsten Verluste, die wir entgegennehmen müssen, und alle Dinge, von denen wir annehmen mußten, daß wir sie nie bewältigen würden, dienen unserem geistigen Wachstum. Es gibt kein blindwütiges Schicksal, das uns bestraft.

Wir haben in jedem Augenblick unseres Lebens die Möglichkeit der freien Wahl. Eine einzige Entscheidung vermag Probleme zu lösen und uns eine völlig neue Sichtweise zu vermitteln. Menschen mit Todesnähe-Erfahrung erinnern uns an diesen Gesamtzusammenhang, an einen größeren Sinnzusammenhang in diesem Leben, den wir sozusagen nur wiedererinnern müssen. Ausschlaggebend für das Bewußtsein nach dem Tod ist die Entwicklung unseres Bewußtseins zu Lebzeiten. Nur was der einzelne in seinem Geist für möglich hält, entspricht seinem Bewußtsein auch nach dem Tod.

Wir sind die gleichen Menschen nach unserem Tod. Es ist ein Irrglaube zu denken, daß wir dann sofort allwissend sind. Was wir auf Erden an Wissen und Bewußtsein erwerben, ist das einzige, was wir mit auf die andere Seite mitnehmen können. Nicht von ungefähr verändern Menschen mit Nahtod-Erfahrung ihr Leben auf extreme Weise, indem sie sich sozial-karitativen Inhalten zuwenden und immer wieder vom Sinn der bedingungslosen Liebe sprechen.

Ich denke, daß die Beschäftigung mit Todesnähe-Erfahrungen uns alle an das eigentliche Zentrum unseres Seins heranführen kann und uns den tieferen Sinn des Lebens vermittelt, da sie uns nicht nur die Angst vor dem Tod, sondern auch die Angst vor einem selbstbestimmten Leben nehmen können. Die Zwanghaftigkeit im Leben ist es doch, die uns immer mehr von unserer eigentlichen geistigen Natur entfremdet.

GralsWelt: Sie sind auf Grund Ihrer eigenen Forschungsergebnisse und auch durch die Fülle von Fakten, welche durch die Thanatologie bekannt wurden, nicht nur von einem Fortleben nach dem Tod überzeugt, sondern auch davon, daß jeder Mensch öfter als nur einmal auf Erden lebt …

Jakoby: Ja, Reinkarnation hängt mit dem Gesetz des Ausgleichs und der Gerechtigkeit zusammen. Ich glaube allerdings auch, daß es wichtig ist, seine unerledigten Geschäfte hier und jetzt zu lösen und nicht alles auf nicht greifbares Karma zu schieben. Jedes Leben bietet die Möglichkeit, sein Bewußtsein in dem Maße zu erweitern, daß wir nicht auf diese Erde zurückkehren müssen. Wenn wir durch die Jahrtausende gewandert sind in unterschiedlicher Verkleidung, sollten wir alles daran setzen, diese Wendezeit zu nutzen, eine wahrhaft liebevolle Welt zu errichten und nicht im Sumpf von Gewohnheit, Materialismus und falschem Sicherheitsdenken festzustecken.

GralsWelt: Die Thanatologie hat sich in den letzten Jahren interessanten Detailfragen gewidmet, etwa der Tatsache, daß auch Kinder bereits Todesnähe-Erfahrungen haben, die jenen der Erwachsenen durchaus ähnlich sind, oder aber der Erkenntnis, daß Menschen, die einen mißlungenen Suizidversuch hinter sich haben, keinen zweiten mehr unternehmen, wenn sie sich an ein Nahtod-Erlebnis erinnern können. Gibt es für Sie Fragen, denen sich die Sterbeforschung künftig besonders widmen sollte? Forschungsprojekte, an denen Sie vielleicht selbst mitarbeiten werden?

Jakoby: Ich denke, die wichtigste Aufgabe der Sterbeforschung in den nächsten Jahren wird die praktische Umsetzung des von ihr zutage geförderten Wissens über Sterben und Tod sein. Es geht darum, dieses Wissen konkret auf Sterbende umzusetzen und den Menschen die Angst vor dem Tod, aber auch vor dem Leben zu nehmen.

In den Rückführungen sind ja sogar in den letzten Jahren konkrete Beschreibungen des Jenseits im Unterbewußtsein von Klienten aufgetaucht. Ich denke da beispielsweise an Michael Newton oder Joel Whitton. Die Frage, was nach unserem Tod mit uns geschieht, beschäftigt mich zumindest für ein weiteres Buch. Davon abgesehen sind die Hinweise auf ein Fortleben nach dem Tod so außerordentlich zahlreich und geradezu erschlagend eindeutig, daß es mich immer wieder neu erstaunt, wie wenig diese Dinge in der Öffentlichkeit bewußt sind.

GralsWelt: Was hat Sie persönlich dazu bewogen, sich so intensiv mit der Todesfrage zu beschäftigen?

Jakoby: Als ich während meiner Abiturzeit (1977) Moodys Buch vom Leben nach dem Tod gelesen habe, war ich fasziniert. Später verschlang ich alles von Elisabeth Kübler-Ross, und ihre damaligen Fernsehinterviews veränderten mein Weltbild. Mitte der Achtzigerjahre wurde ich dann durch die Krebserkrankung meiner Mutter persönlich mit dem Thema konfrontiert.

Über einen Zeitraum von vier Jahren erlebte ich die Welt der Intensivstationen und Chemotherapien sowie den körperlichen Verfall einer hoffnungslosen Erkrankung. Parallel dazu erkrankte mein Vater ebenfalls an Krebs. Er starb im August 1999, meine Mutter im November 1990. Speziell durch das Sterben meiner Mutter erfuhr ich die Bestätigung meiner Annahmen über ein Leben nach dem Tod.

Am Ende ihres Lebens fiel sie in ein Koma. Ich wachte die Nacht über bei ihr. Am nächsten Morgen löste mich mein Bruder ab. Gegen 11.30 Uhr rief er mich an, daß ich sofort kommen müßte. Zu diesem Zeitpunkt nahm ich starke Beruhigungsmittel. Ich fühlte nichts mehr.

Auf dem Weg in die Klinik mußte ich vor einer Ampel halten. Plötzlich traten mir die Tränen in die Augen, und ich fühlte einen Stoß durch mein Herz. Es war die Seele meiner Mutter, die sich verabschiedete. Ein Gefühl von Befreiung und Freude vermittelte sich mir. Wie sich herausstellte, war das ihr Todeszeitpunkt. Meine Mutter zeigte mir, daß Liebe ewig ist. Nachdem ich den Verlust verarbeitet hatte, fing ich an, Seminare und Gruppenveranstaltungen über Sterben und Tod zu organisieren. Immer wieder wurden ähnliche Dinge berichtet.

GralsWelt: Sie hatten auch persönlichen Kontakt mit Frau Elisabeth Kübler-Ross, die Ende der Sechziger Jahre ja eigentlich als erste den Mut hatte, sich als Ärztin aktiv der Erforschung der Vorgänge beim Sterben zu widmen …

Jakoby: Elisabeth Kübler-Ross ist für mich bis heute ein Vorbild. Sie war die erste, die es wagte, sich in den Sechzigerjahren gegen den Trend von Gleichgültigkeit und Abwehr zu stellen und sich an die Betten von Sterbenden zu setzen. Ihre grundlegenden Beobachtungen über den Sterbeprozeß, die im „Fünf-Phasen-Modell“ zusammengefaßt werden, sind heute Standard in der Ausbildung von Klinikpersonal und Sterbebegleitern. Später berichtete sie dann von ihren Erfahrungen mit dem Leben nach dem Tod, was ihr starke Anfeindungen von Ärzten und Theologen einbrachte. Im Februar 2000 war ich Hausgast bei Elisabeth in Phoenix, Arizona*.

Dort lebt sie heute zurückgezogen – nach sechs Schlaganfällen – in der Wüste. Ich bin selten einem Menschen begegnet, der so direkt, offen und ehrlich die gestellten Fragen beantwortet. Ich denke, wir sollten alle Schüler von Elisabeth Kübler-Ross werden. Was sie in den vierzig Jahren ihrer Tätigkeit in ihren Büchern über das Sterben vermittelt hat, gehört bis heute zum Besten, was die Sterbeforschung zu bieten hat. Vor allem geht es darum, ihre spirituellen Einsichten über den Tod und das Leben danach endlich anzuwenden: Wir sind hier, um bedingungslos lieben zu lernen. Alles, was uns im Leben widerfährt, hat einen tieferen Sinn. Nichts geschieht zufällig.

GralsWelt: Gibt es etwas, das Sie sich für Ihre künftige Arbeit wünschen?

Jakoby: Ich möchte möglichst viele Menschen rechtzeitig erreichen und sie dazu bewegen, sich frühzeitig einen eigenen Standpunkt zu Tod und Sterben zu bilden. Deswegen habe ich, für jeden verständlich, die Ergebnisse der modernen Sterbeforschung in meinem Buch „Auch Du lebst ewig“ zusammengefaßt, damit die Menschen die Furcht vor dem Tod verlieren und keine Angst mehr vor dem Sterben haben müssen.

Dies kann vor allem dazu verhelfen, einen Zuwachs an Lebensfreude zu gewinnen. Am meisten wünsche ich mir, daß immer mehr Menschen bereit sind, offen über ihre eigenen Erlebnisse mit Tod und Sterben zu berichten. Wenn das so sein könnte, würde sich unser Gesundheitssystem zum Segen für alle Menschen verändern können. Darüber hinaus wäre es wünschenswert, wenn auch das Fernsehen mehr über die Ergebnisse der Sterbeforschung berichten würde, damit viele Menschen erreicht werden könnten.

Quelle:www.gral.de

 Sprung  

Zugriffsstatistik:
counter

Impressum und Haftungsausschluss - Hinweis zu den Informationen hier

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de