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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Allgemeines zu Sterben, Tod und Trauer
Jana78 ( Gast )
Beiträge:

25.10.2005 19:09
Die Erforschung des Todes 1 (1) antworten

Dr. Raymond Moody ist der weltweit führende Erforscher von Nah- und Scheintoderlebnissen. Sein bahnbrechendes Werk „Life After Life“ (deutsch: „Leben nach dem Tod“) erschien 1975 und hat sich seither über 10 Millionen Mal verkauft. Raymond Moody wurde 1944 in Porterdale, Georgia (USA) geboren, ist Doktor der Psychiatrie und der Philosophie und Autor von bisher 10 Büchern.
Lesen Sie im folgenden den ersten Teil eines ausführlichen Interviews, das Micah RUBENSTEIN für die GralsWelt mit dem Sterbeforscher nach einer Konferenz in Gambier, Ohio, führte.

GralsWelt: Es ist jetzt 25 Jahre her, daß Ihr Buch „Leben nach dem Tod“ erschien. Was hat sich in dieser Zeit in bezug auf Erlebnisse an der Todesschwelle verändert?

Dr. Moody: Ich glaube, unsere Grundeinstellung hat sich geändert. Als ich vor 25 Jahren anfing, waren viele Leute, die Nahtoderlebnisse hatten, sehr deprimiert, weil sie sich ihren Ärzten, Krankenschwestern, Priestern oder einer nahestehenden Person anvertrauten, aber schroff abgewiesen wurden. Heute fühlen sich die Leute freier, sie sprechen über ihre Erlebnisse, obwohl diese zu den tiefsten persönlichen Erfahrungen gehören, die ein Mensch machen kann.

GralsWelt: Man hört heute auch viel mehr von solchen Erfahrungen. Warum ist das so?

Dr. Moody: Ich denke, es gibt dafür drei wichtige Voraussetzungen: Zum einen kommen die Menschen der sogenannten „Baby-Boomer“-Generation (Anm. d. Red.: Damit sind Menschen gemeint, die zwischen 1946 und 1964 geboren sind; dz. sind das ca. 31 % der amerikanischen Bevölkerung) jetzt in ein Alter, wo sie Angehörige verlieren. Diese Generation, zu der auch ich mich sehr hingezogen fühle, ist bekannt dafür, daß sie ein großes Interesse für alternatives und natürliches Heilen hat und auch offen für spirituelle Fragen ist.
Zweitens vollzog sich auch eine weitreichende Änderung in unserer Krankenhaus-Praxis: Wenn Anfang der 70er Jahre – als ich anfing, Medizin zu praktizieren – ein Patient sterben mußte, kamen die Ärzte und Krankenschwestern und führten seine Angehörigen aus dem Zimmer. Heute ermutigt man sie dazu, in diesem abschließenden Augenblick dabei zu sein, während sich Ärzte und Schwestern zurückziehen. Und drittens haben wir jetzt bessere technische Mittel zur Wiederbelebung: Wir können heute wesentlich mehr Leute ins Leben zurückholen als je zuvor.

GralsWelt: Welche neuen Erfahrungen konnten Sie seit dem Erscheinen Ihres Buches „Life After Life“ sammeln?

Dr. Moody: Viele! Die Sterbeforschung hat sich über die ganze Welt explosionsartig verbreitet, und wir konnten sehr erstaunliche Tatsachen entdecken. Zum Beispiel haben Ärzte in Europa und USA herausgefunden, daß kleine Kinder ebenfalls Nahtoderlebnisse haben, die ähnlich denen der Erwachsenen verlaufen. Durch Studien wissen wir auch, daß ungefähr acht Millionen erwachsene Amerikaner solche Erlebnisse hatten.

Sie sind also doch sehr weit verbreitet. Und da ist noch eine große Entdeckung zu nennen: das „empathische Scheintoderlebnis“. Wir wissen, daß es häufig vorkommt, daß Beistehende am Bett des Sterbenden selbst eine emotionale Todeserfahrung mitmachen. Die typische Geschichte ist die: Jemand steht am Bett eines geliebten Sterbenden. In dem Moment, wo diese Person stirbt, fühlt der am Bett Stehende so, als ob er selbst aus seinem Körper herausschlüpft, und er kann das Geschehen von oben beobachten.

Er sieht den Körper des Gestorbenen tot im Bett liegen und nimmt den eigenen Körper wahr, der daneben steht. Plötzlich schaut er zur Seite und sieht dort auf einmal den Verstorbenen, der sich in die neue Form umgewandelt hat. Menschen mit einem empathischen Scheintoderlebnis berichten auch, daß sie selbst nach oben hin schwebten und in der Ferne eine Art Tunnel oder schmalen Weg mit einem hellen Licht sahen. Man kann also sagen, daß alle typischen Aspekte von Nahtoderfahrungen auch auf das empathische Scheintoderlebnis zutreffen – wobei ich anfügen möchte, daß ich so etwas auch selbst erlebt habe.

GralsWelt: Würden Sie uns etwas davon erzählen?

Dr. Moody: Ungefähr vor sechs Jahren arbeitete ich in einer Gruppe von Wissenschaftlern und Psychologen an einer Studie über das empathische Scheintoderlebnis. Wir hatten eine dreitägige Wochenendkonferenz an einer Universität, um herauszufinden, wie wir vorgehen sollten. Nachdem das Treffen an einem Sonntag endete – und es war Muttertag –, rief ich meine Mutter an, um sie zu fragen, wie es ihr geht. Sie antwortete, sie fühle sich gut. Sie sagte, sie fühle sich nicht krank, aber den Tag zuvor, am Samstag, habe sie einen Ausschlag am ganzen Körper bekommen.

Sie hatte sich daher untersuchen lassen, aber der Arzt sagte nur, das, was sie habe, sei „idiopathisch“ – einer dieser Ausdrücke, die Ärzte gerne benutzen, um die Allgemeinheit zu beeindrucken, wenn sie eigentlich nicht wissen, was der Patient hat. Er glaubte also, daß es nichts Ernsthaftes sei. Meine Mutter erzählte mir, daß sie am nächsten Tag, am Montag, noch einmal zum Arzt gehen müsse, damit er sie gründlicher untersuchen könne. Und am nächsten Tag sagte ihr der Arzt dann: „Sie leiden an Non-Hodgkin’s-Lymphona … Sie haben noch zwei Tage und zwei Wochen zu leben.“ Meine Frau und ich wachten die ganze Zeit an ihrem Bett, und tatsächlich, sie starb, auf den Tag genau, zwei Wochen später.

Zwei Tage vor ihrem Tod fiel sie ins Koma – es gab keine Regung mehr. Und dann kam der Moment, in dem sie starb: Vor mir und meiner Frau – meine beiden Schwestern und Schwager waren auch da – schlug sie ihre Augen auf und sagte zweimal: „Ich liebe euch!“ Dann starb sie, und ich hatte auch so ein empathisches Erlebnis. Es war nicht so umfassend, daß ich aus meinem Körper heraustrat, aber die gesamte Aufteilung des Raumes änderte sich, ich nahm dieses helle Licht wahr, meine Frau ebenso. Und meine Schwester fühlte die Anwesenheit des Vaters, der vor 18 Monaten gestorben war.

GralsWelt: Was hat sich in den letzten 25 Jahren noch an Erfahrungen ergeben? Weiß man zum Beispiel etwas darüber, wie blinde Menschen das Sterben erleben?

Dr. Moody: Dr. Kenneth Ream hat sich damit am meisten beschäftigt. Blinde Menschen haben ebenfalls Nahtoderlebnisse und „sehen“ auch alles, während sie sich außerhalb ihres Körpers befinden.

GralsWelt: Weiß man in der Sterbeforschung etwas über die Erfahrungen von Selbstmördern?

Dr. Moody: Ja. Bruce Greyson von der Universität Virginia hat dies untersucht. Er arbeitet dort in der Notaufnahmestation und hat beobachtet, daß über die Hälfte der Selbstmörder, die dort eingeliefert wurden, ein Nahtoderlebnis hatte. Bei seinen Nachstudien stellte er interessanterweise fest, daß viele jener Personen, die nichts Derartiges erlebten, den Suizidversuch wiederholten. Aber niemand von denen, die eine Nahtoderfahrung hatten, versuchte es noch einmal. Sie alle waren nach diesem Erlebnis davon überzeugt, daß das Leben einen Sinn hat und daß man dem Leben nicht durch Selbstmord entfliehen kann.

GralsWelt: Nahtoderfahrungen werden meist als glückhafte Erlebnisse geschildert. Ist auch etwas über bedrückende Erfahrungen bekannt?

Dr. Moody: Ja, sie kommen vor, und ich glaube, man kann sagen, daß alle Nahtoderlebnisse einen unangenehmen Aspekt in sich tragen, wenn man in seinem Lebensrückblick sieht, was man anderen angetan hat, und wenn man dabei selbst nachfühlen muß, was die anderen gefühlt haben. Das tut dann weh. Aber insgesamt ist der Lebensrückblick trotzdem gewinnbringend, weil er zukünftiges Verhalten ändern hilft. Ich würde sagen, daß sogenannte „höllische Details“ in den Berichten eher selten sind.

GralsWelt: Vielleicht gibt es deshalb weniger höllische Details, weil diejenigen, die in solche jenseitigen Bereiche müssen, nicht mehr die Möglichkeit haben, zurückzukommen und über ihre persönlichen Erfahrungen zu berichten.

Dr. Moody: Vielleicht! Dr. Bruce Greyson hat eine besondere Untersuchung über höllische Todeserfahrungen gemacht. Er fand dabei heraus, daß sie, verglichen mit den Erlebnissen, die ich beschrieben habe, sehr selten vorkommen, und daß sie einander auch nicht sehr gleichen.

GralsWelt: Wollen Menschen, die unter starken Schmerzen leiden, überhaupt wieder zurück?

Dr. Moody: Tatsächlich wollten die meisten von ihnen nicht mehr zurück in ihren Körper. Sie sagen, daß sie in diesem Moment von dem Licht so umschlossen sind, daß sie eigentlich viel lieber mitten in diesem Erlebnis bleiben wollen. Dr. Claude Wright, einer meiner Hämatologie-Professoren am Medical College of Georgia, hat damit selbst Erfahrungen gemacht. Claude war einmal dabei, einen Patienten wiederzubeleben, als dieser plötzlich rief: „Lassen Sie das! Machen Sie das nicht mit mir!“

GralsWelt: Warum kommen sie dann doch zurück? Haben sie die Wahl?

Dr. Moody: Einige Leute berichten, daß sie nicht wüßten, warum sie wieder zurückgekehrt sind. Für einen Moment befanden sie sich in diesem Licht, und im nächsten Moment waren sie wieder in ihrem Körper. Andere erzählen, daß jemand dagewesen sei, der zu ihnen sagte: „Deine Zeit zum Sterben ist noch nicht da, Du mußt zurückkehren.“ Und wieder andere berichten, daß sie wählen konnten, entweder zu bleiben oder in ihr körperliches Leben zurückzukehren. Der Grund, warum sich Menschen für die Rückkehr entscheiden, liegt meist darin, daß sie noch Kinder haben.

Auch habe ich von Fällen erfahren, in denen Menschen sich auf ein Leben in einem helfenden Beruf vorbereitet hatten, zum Beispiel als Sozialarbeiter oder Krankenschwester. Und weil sie gerade an einem Punkt ihrer Karriere angekommen waren, wo ihnen alle Möglichkeiten offenstanden, entschieden sie sich zur Rückkehr. Eine Krankenschwester beschrieb es so: „Ich muß meine Lebensaufgabe erfüllen. Mein ganzes Leben lang wollte ich Krankenschwester werden und anderen Menschen helfen.“

GralsWelt: Inwieweit haben sich Menschen verändert, wenn sie zurückkehren?

Dr. Moody: Aus psychiatrischer Sicht ist dies der interessanteste Punkt an den Nahtoderlebnissen. Die Veränderungen haben alle dasselbe Muster: Die Leute berichten, daß sich vor allem die Wertigkeit der Dinge verändert. Was immer sie zuvor gesucht haben – Macht, Ruhm, Reichtum –, jetzt konzentrieren sie sich darauf, Nächstenliebe zu lernen. Das ist es, was ich immer wieder höre – wobei das praktische Umsetzen gar nicht so einfach ist.

Dr. George Ritchie, die erste Person, die ich kannte, die so ein Erlebnis hatte, erzählte mir 1976: „Diese Art von Erlebnis macht das Menschendasein noch mehr zu einer Last.“ Er meinte damit: Selbst wenn jemand ein so einschneidendes Erlebnis hatte, ist es sehr schwierig, sein Vorhaben, die Mitmenschen zu lieben, Tag für Tag umzusetzen. Und das zweite, was man von zurückgekehrten Leuten hört, ist, daß sie keine Angst mehr vor dem Sterben haben. Das ist bei ihnen aber kein Machogehabe. Sie sind durch ihr Erlebnis einfach zur Überzeugung gelangt, daß das, was wir Tod nennen, in Wahrheit ein Übergang zu etwas anderem ist, und sie sind deshalb nicht mehr beunruhigt.

GralsWelt: Behalten solche Menschen diese Überzeugung für den Rest ihres Lebens?

Dr. Moody: Ich untersuche solche Erlebnisse seit 1965 und habe mit Tausenden von Menschen gesprochen, wovon viele meine Freunde geworden sind. Über diese Zeitspanne bis heute sind viele von diesen Freunden gestorben, und es war mir bei vielen möglich, im letzten Stadium ihrer Krankheit dabei zu sein. Und – ja, definitiv, sie treten dem Tod mit absolutem Gleichmut und vertrauensvoll entgegen. ...

Quelle:www.gral.de

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