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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Wissenswertes zum Hospiz und zur Hospizarbeit
Ahasveru Offline

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25.10.2005 16:04
Begleitung am Sterbebett antworten

Begleitung am Sterbebett

Der Tod wird in unserer Gesellschaft durchweg tabuisiert. Im allerletzten Abschnitt ihres Erdenlebens müssen viele Menschen allein bleiben – beispielsweise im anonymen Umfeld eines Krankenhauses. Nur wenige haben das Glück, im Kreis ihrer Familie auch noch am Sterbebett eine menschliche Begleitung erleben zu dürfen. Um so wichtiger ist die Arbeit der Hospiz-Helfer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, dort, wo unheilbar Kranke auf den Tod zugehen, unter dem Motto "Leben bis zuletzt" Zuwendung, Anteilnahme, Liebe und Trost zu spenden.
Waltraud GROSSE ist seit mehreren Jahren Hospiz-Helferin und berichtete bei einem Seminar im Rahmen des "Forums GRALSWELT" von Erfahrungen und Konsequenzen aus ihrer Arbeit. Der folgende Text bringt die wichtigsten Ausschnitte aus ihrem Vortrag.


Sehr geehrte Damen und Herren!



Meine Erfahrungen mit Schwerstkranken und Sterbenden setzten lange vor meiner Tätigkeit als Hospiz-Helferin ein, so daß ich sie hier mit einbeziehe.

Mein kleiner Neffe erkrankte mit 3 Jahren an Nierenkrebs und ging im Alter von 4 Jahren hinüber. Die letzten Wochen lag er in der Klinik. Wenn Besuch kam, erzählte er immer, er sei wieder auf der schönen Blumenwiese gewesen und habe dort mit vielen Kindern gespielt. Das war meiner Meinung nach eine Tatsache; zwischendurch war er bereits in der Ebene, in die seine Seele nach dem Erdentod kommen sollte. Die Eltern hielten seine Erlebnisse zuerst für Träume, Phantasien. Ich versuchte, ihnen zu helfen, sie als Wirklichkeit zu nehmen.

Mein kleiner Neffe kannte genau den Turnus, wann ihn wer aus der Familie oder der nächsten Umgebung besuchte. Eines Tages trug er seiner Mutter auf: „Morgen muß die Oma mit der Susanne (so hieß seine Schwester) kommen.“ Es war ein richtiger Befehl.

Zum Glück richteten sich die Erwachsenen darnach; im üblichen Turnus hätten ihn seine Großmutter und seine Schwester (die Menschen, die ihm neben seinen Eltern am nächsten standen), nicht mehr gesehen. Er verschied kurz darauf ganz ruhig.Für mich ergab sich daraus die Konsequenz, Wünsche von Sterbenden ernst zu nehmen, rasch zu reagieren.

Ich wohnte damals 170 km entfernt von meinem Neffen. Ein eigenes Telefon besaß ich damals nicht. Eines Nachts träumte ich von ihm. Ich sah ihn vor mir. Er sagte nichts. Er sah weder krank noch traurig aus, sondern strahlte mich richtig an. Als am nächsten Morgen meine Schwester zu mir kam, brauchte sie mir gar nichts zu sagen, ich wußte: Er hatte seinen kranken Körper verlassen dürfen; ihm ging es jetzt gut; und ich war so glücklich, daß er gekommen war, um sich von mir zu verabschieden. Dieser Traum war für mich Wirklichkeit.

Das letzte Stadium

Meine Schwägerin begleitete ich nach einer Kopftumor-Operation die letzten vier Monate in der Klinik. In der letzten Zeit war sie viel abwesend, konnte auch nicht mehr sprechen. Auch wenn sie zu schlafen schien, achtete ich darauf, daß im Krankenzimmer nur das gesprochen wurde, was sie auch hören sollte, wenn sie wach gewesen wäre. In dieser Zeit erlebte ich, daß eine Verständigung auch ohne Worte vor sich gehen kann. Durch das lange Zusammensein spürte ich, wenn sie bestimmte Wünsche hatte: etwas vorgelesen bekommen, Fotos von der Familie anschauen, Fenster öffnen … Vor allem war es ihr immer wieder wichtig zu hören: „Ich bleibe bei dir!“

Sie konnte nicht mehr schlucken. Mit den Ärzten, die sehr auf uns eingingen, hatten wir besprochen, daß wir keine künstliche Lebensverlängerung durch künstliche Ernährung, herzstärkende Mittel usw. wollen, weil für uns das Leben nach dem Erdentod weitergeht und deshalb diese Erdenzeit nicht um jeden Preis verlängert werden muß. So setzte ein natürliches Abnehmen der Kräfte ein.

Dennoch: Eines Morgens schlug meine Schwägerin die Augen auf, schaute mich an und zeigte, daß sie trinken wolle. Zu meinem Erstaunen trank sie fast einen Liter Tee aus, war noch kurze Zeit voll wach und ging dann rasch und deutlich spürbar in das letzte Stadium über – es waren ihre letzten 24 Stunden auf der Erde.

Dieses Aufleben kurz vor dem Abscheiden wird oft beobachtet: ein letztes Kräftesammeln, eine letzte Kräfteentfaltung, Mitteilungsmöglichkeit, Wunscherfüllung.
Dieses letzte Stadium machte mir, obwohl ich es damals zum erstenmal erlebte, klar: Jetzt geschieht etwas ganz Neues. Ich habe weiterhin leise mit meiner Schwägerin gesprochen, aber sehr gezielt – um ihr Mut zu machen, den Schritt nach drüben zu tun. Ich habe sie vor mir gesehen, wie ich sie als lebenslustige junge Frau gekannt hatte, und ich sagte ihr, sie wird drüben wieder so voll Energie und voll Freude sein, wenn sie diesen kranken Körper unter sich gelassen hat. Es war keine traurige Stimmung im Zimmer. Die Krankenschwestern schauten nur zwischendurch herein, ob irgend etwas gebraucht wird, ließen uns aber sonst allein, so daß wir eine wunderbare Ruhe im Zimmer hatten. Ich habe ihr auch kurze Gebete vorgesprochen, die sie kannte. Als dann die Nacht kam – mit klarem Sternenhimmel –, mußte ich ihr unwillkürlich sagen: „Flieg da hinauf, zu den Sternen, zum himmlischen Licht!“

Berührt habe ich sie in dieser letzten Phase kaum noch, nur, um Schweiß abzuwischen. Das letztemal umarmt habe ich sie zu Beginn dieser letzten Phase und habe ihr dabei auch gesagt, daß ich sie jetzt ganz für sich lasse, sie nicht mehr berühre, damit ich sie nicht störe, wenn sie sich nach drüben aufmacht.

Die Körperausstrahlung eines Gesunden kann dem Todkranken durchaus bei langer Berührung Kräfte übertragen, die ihn wieder stärken und sein Hinübergehen verzögern. Die letzten Atemzüge waren wie ein Seufzer der Erleichterung: „Jetzt habe ich es geschafft!“ Und genau so mußte ich auch ihr Abscheiden den Krankenschwestern und der Familie mitteilen. Ich mußte jedem sagen: Sie hat es geschafft! Es wäre mir unmöglich gewesen zu sagen: Sie ist gestorben. Diese Erleichterung bei den letzten Atemzügen – wie nach dem Ende einer großen Anstrengung – konnte ich auch später bei anderen Patienten erleben.

Das Sterben erleichtern

Während der Betreuung meiner Schwägerin erlebte ich auch viele Mit-Patienten. Eine davon war eine alte Bäuerin. Sie hatte im ganzen Körper Metastasen, litt viel und war todgeweiht. Eines Tages sagte sie zu mir: „Was habe ich denn von meinem Leben gehabt? Gearbeitet, Kinder geboren; wieder gearbeitet, und jetzt bin ich krank!“ Viel Bitterkeit kam dabei zum Ausdruck. Mit ihr hätte ich bestimmt nicht über den Sinn des Lebens sprechen können. Ich habe sie gefragt, was ihre Kinder machen, und ob sie auch Enkel hat. Und da fing sie von ganz allein zu erzählen an und hörte gar nicht mehr auf!

Ich merkte, wie viel ihre Kinder und Enkel ihr bedeuteten, daß sie auch stolz war, was der eine oder andere machte und konnte. Als sie fertig war, sagte ich ihr: „Und da sagen Sie noch, Sie hätten nichts von Ihrem Leben gehabt!“ Sie stutzte einen Augenblick, und dann meinte sie: „Ja, es war doch schön!“
Als ich am nächsten Morgen kam, war ihr Bett leer. Sie war in der Nacht friedlich eingeschlafen. Ich kann nicht sagen, ob sie auch ohne dieses Gespräch in dieser Nacht eingeschlafen wäre. Wenn ja, dann war es immerhin gut, daß sie im zufriedenen Zustand von dieser Erde ging. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, daß Unzufriedenheit mit dem Leben, Vorwürfe gegenüber dem Schöpfer und ähnliches einen Menschen daran hindern können, von der Erde zu scheiden; das verlängert natürlich sein Leiden. Wenn wir mithelfen können, daß ein Todkranker Frieden schließen kann – mit seinem Schicksal, mit dem Schöpfer, mit seiner Familie, wenn er verzeihen kann, dann erleichtern wir ihm das Abscheiden.

Bei einem Ehepaar, das sich sehr geliebt hat, habe ich folgendes erlebt: Der beiderseitige Wunsch war, trotz der schweren Krankheit des Mannes noch recht lange zusammensein zu können. Der Mann ging lange Zeit sichtbar immer mehr auf das irdische Ende zu. Einige Tage, nachdem die Frau gesagt hatte: „Ich wünsche – so schwer es für mich sein wird –, daß er bald sterben kann“, schied ihr Mann ohne Todeskampf ab.

Offenbar können manche Sterbende nicht von der Erde gehen, bevor ihre Angehörigen sie „freigeben“.
Hier können wir als Hospizhelfer unterstützend tätig sein: Einmal in der Mitbetreuung der Angehörigen, und zum anderen, indem wir dem Sterbenden die Sorge um seine Angehörigen etwas erleichtern. Es ist für einen Sterbenden eine Entlastung, wenn wir ihm sagen: Wir lassen Ihre Frau nicht allein, wenn Sie nicht mehr da sind. Dann stehen wir natürlich auch dazu. Das bedeutet am Anfang eine oft sehr intensive Betreuung von Hinterbliebenen, besonders bei Suizid-Gefährdung. Im Sterbeprozeß gibt es eine Phase, in der das Interesse des Sterbenden an der diesseitigen Welt nachläßt. Für die Angehörigen ist dies oft belastend, weil sie es nicht einordnen können. Der Sterbende schaut nicht mehr den Angehörigen an, sondern auf einen fernen Punkt. Während zum Beispiel ein Mann sich früher darüber freute, seine Ehefrau wiederzusehen, wenn sie nach einer halbstündigen Abwesenheit vom Einkaufen zurückkam, so nimmt er jetzt ihr Wiederkommen nach Stunden kaum noch wahr. Wenn die Ehefrau dann fragt: „Ja, freust du dich gar nicht, daß ich wieder da bin?“, sammelt der Mann seinen Blick mühsam von weither, schaut sie abwesend an und sagt fast gequält: „Doch“.

Wenn die Angehörigen nichts davon wissen, daß die Seele zeitweise schon in eine andere Welt schaut, entsteht dadurch leicht ein unausgesprochener Vorwurf, der den Sterbenden wieder traurig macht, weil er dies alles spürt. Wenn es uns hier gelingt, die Lage zu erklären, so ist allen geholfen. ...

Über den Tod sprechen?



Als Hospiz-Helfer kommen wir zu Patienten in allen Krankheitsstadien: Manchen geht es noch einigermaßen gut, so daß wir sie über Monate oder sogar Jahre betreuen. Manche sind sichtbar im Endstadium. Zu manchen werden wir buchstäblich in der letzten Stunde gerufen.

Manchmal sagt uns ein Angehöriger über den Sterbenden: „Alles, was mit Tod zusammenhängt, darf man bei ihm nicht im leisesten berühren!“ Soll man also über den Tod sprechen? Hier habe ich höchst Unterschiedliches erlebt: Ein Patient schnitt von sich aus beim zweiten Besuch das Thema Tod an.

Bei einem anderen Patienten fiel auch nach über einem Jahr Betreuung noch kein Wort darüber. Ich respektiere voll und ganz, wie ein Patient damit umgehen will, achte aber auf kleine Anzeichen. Eine Nachbarin, die wußte, daß ich vom Weiterleben nach dem Tod überzeugt bin, hat in ihren gesunden Tagen in Gesprächen alles tunlichst vermieden, was mit diesem Thema zu tun haben könnte. Dann hatte sie einen gesundheitlichen Einbruch und lag wochenlang auf der Intensivstation, wo ich sie regelmäßig besuchte.

Sie hatte keine Chance mehr, geheilt zu werden. Sie war nicht bei Bewußtsein. Ich sprach dort leise mit ihr, versuchte ihr die Angst vor dem Tod zu nehmen, sprach von den Helfern, die ihr „drüben“ zur Seite stehen, wenn sie um Hilfe bittet. Als sie dann wieder auf der Station lag und ich zu ihr kam, sagte sie: „Wenn man so lange hilflos daliegt, dann denkt man über so vieles nach. Und unwillkürlich entfuhr es mir: „Sie meinen, wie es nach dem Tod weitergeht?“ Und sie sagte: „Ja!“ Sie war sehr schwach, und ich hatte nur kurze Zeit, um ihr das Wichtigste zu vermitteln. Ich fragte sie, ob sie das nächste Mal mehr hören wolle, und sie bejahte. Das nächste Mal las ich ihr einiges von den Berichten von Dr. Moody vor über die Erlebnisse Reanimierter. Wieder konnte sie aus Schwäche nur kurze Zeit folgen, sagte denn aber: „Das ist alles sehr tröstlich, was Sie mir erzählt und vorgelesen haben.“ Als ich sie dann wieder besuchte, ging es ihr sichtlich besser, und das Thema Tod war wieder tabu. Sie ist bald darauf friedlich hinübergegangen, und ich bin froh, daß ich diese kurzen Zeiträume, in denen sie für das „Danach“ geöffnet war, nutzen konnte.

Ein Patient, der von sich aus das „Danach“ anschnitt, meinte: „Ich bin in meinem Leben nicht immer gut gewesen“, und dahinter stand die bange Frage: Was wird mich erwarten? Ich sagte ihm: „Alles läßt sich wieder gutmachen, ob hier oder drüben, wenn wir es wollen und darum bitten, es gutmachen zu dürfen. Allen Menschen in Liebe begegnen, ihnen helfen und Gutes tun – hier oder drüben –, das ist das wirksamste Mittel dazu.“ Er konnte es so annehmen und wurde innerlich ruhig dabei.

Wir betreuen Patienten zu Hause, so daß sie, wenn irgend möglich, zu Hause sterben können; wir gehen auch in Altenheime, in Kliniken (auch in Intensivstationen); und es gibt bei uns auch eine Hospiz-Station, in der Patienten aufgenommen werden, die auf den Tod zugehen, aber zu Hause nicht versorgt werden können.
Wenn wir in Intensivstationen gerufen werden, ist der Patient meist nicht mehr ansprechbar. Hier liegen manchmal mehrere Patienten nebeneinander, die Türen sind offen, und es herrscht der dort nötige Klinikbetrieb. Hier finde ich es besonders wichtig, dem Patienten einen Bereich der Ruhe zu schaffen, einfach durch unser Bei-ihm-Sein. Auch wenn der Patient sich schon im Koma befindet, stelle ich mich immer vor, sage ihm, daß ich so lange bleibe, bis zum Beispiel seine Tochter wiederkommt und versuche ihm Mut und Zuversicht für seinen wichtigen Schritt ins Jenseits zu vermitteln.

Ich verspreche ihm, daß er, solange er auf der Erde ist, nicht alleingelassen wird. In solchen Fällen wird nämlich eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung organisiert, in die, so möglich, die Familie einbezogen wird. Und dann versichere ich ihm, daß es auch im Jenseits viele Helfer gibt, die schon die Hand nach ihm ausstrecken – er muß nur zugreifen. Was ich auch mit auf den Weg gebe: Suchen Sie das Licht, gehen Sie mit Freude darauf zu und bitten Sie um die Kraft, daß Sie auf diesem Weg nie müde werden.
Manchmal singe ich den Patienten leise etwas vor. Oder ich sitze nur still da und versuche, ihm in Gedanken zu helfen. An den Atemzügen kann ich manchmal merken, daß eine gewisse Beruhigung eintritt.

Bei einem Patienten auf einer Klinik-Station hatte sich der Atem nach einer gewissen Zeit beruhigt, und ich saß still neben ihm. Es war ein sehr heißer Tag gewesen, und nun wurde es am Abend etwas kühler. Ich ging zwei Schritte ans offene Fenster, um etwas Luft zu schöpfen, und schon fing wieder ein sehr unruhiger Atem an. Ich hätte dem Patienten, obwohl er außer Atem keine Reaktion zeigte, sagen müssen, daß ich nur zum Fenster gehe. Wahrscheinlich hat er gespürt, daß niemand mehr bei ihm saß, und fühlte sich für einen Augenblick verlassen. Es wird tatsächlich das Geringste wahrgenommen!

Der Zeitpunkt des Todes

Einige unserer Bekannten haben uns folgendes erzählt und waren dabei sehr traurig: „Wir haben unseren Vater (unsere Mutter) nicht allein sterben lassen wollen, und immer saß einer von uns bei ihm. Und dann bin ich für fünf Minuten hinausgegangen – ausgerechnet da ist er gestorben; ich hätte doch noch die fünf Minuten aushalten können!“

Wir versuchten so zu trösten: „Manche können nicht hinübergehen, wenn ein geliebter Mensch neben ihnen sitzt – sie können ihm diesen Schmerz einfach nicht antun und warten, bis er gerade nicht da ist. Manche persönlichen Bindungen sind offenbar so, daß ein Sich-Lösen in der Gegenwart des anderen sehr schwer ist. Sie haben Ihrem Vater etwas Gutes getan, daß Sie ihn für kurze Zeit allein ließen!“

Manchmal hatte ich den Eindruck, daß der Sterbende (oder sind es die jenseitigen Helfer?) den Todeszeitpunkt so wählt, daß er seine Angehörigen damit schont. Ein Beispiel: Ich war bei einer sterbenden Dame am Nachmittag in der Intensivstation gewesen und wurde dann von deren Tochter abgelöst. Die Nachtschicht wollte ich auch übernehmen, und mein Mann – er ist ebenfalls Hospiz-Helfer – brachte mich in die Klinik, weil er das Auto benötigte, um mich am nächsten Morgen abzulösen.

Ich wollte meinen Mann mit der Tochter bekanntmachen, und so kam er mit zur Intensivstation. Dort mußten wir klingeln, um eingelassen zu werden. Es kam sehr lange niemand, um uns zu öffnen. Als nach einiger Zeit geöffnet wurde, erfuhren wir, daß die betreffende Dame genau zu dem Zeitpunkt, als wir geklingelt hatten, abgeschieden war. Für die Tochter war es so gut, daß wir gerade zu dieser Zeit ankamen. Wir setzten uns zu dritt um das Sterbebett, und es war wirklich so, als ob wir mitten im Klinikbetrieb der Intensivstation einen Schutzwall für ein wichtiges Geschehen bilden konnten. Wahrscheinlich war die Mutter beruhigt, daß ihre Tochter zu diesem Zeitpunkt nicht allein war und ist hinübergegangen, als wir eintrafen.

Es ist schön, wenn am Sterbebett noch etwas gestaltet wird: ein würdiger Abschied der Familie; das Sprechen von Psalmen, persönlichen Worten, Singen eines Liedes … Für die Angehörigen ist es ein Abschluß, an den sie gern denken, und ich meine, der Abgeschiedene freut sich auch darüber.

Konsequenzen

Ich möchte jedem Mut machen, der einen Sterbenden (sei es ein Familienangehöriger oder ein Fremder) begleiten will. Es sind so viele Hilfen bei diesem wichtigen Geschehen beteiligt, daß wir uns dabei nie allein fühlen müssen! Immer wieder ereignen sich so wunderbare Fügungen in der letzten Phase eines Erdenlebens, daß ich dafür nur danken kann.

Die eigentliche Hilfe kann ich dem Sterbenden nur geben durch meine eigene Überzeugung vom Weiterleben nach dem Tod. Die oft so quälende Frage nach dem Sinn eines Leidens, eines recht kurzen Lebens, erfährt nur eine befriedigende Lösung durch den Hinweis auf die Tatsache mehrerer Erdenleben. Wo ich das vermitteln kann (vor allem auch den trauernden Angehörigen), dort wird auch wieder göttliche Gerechtigkeit und Liebe erkannt; und die Menschen kommen wieder zu innerem Frieden.
In einem Gedicht von Rilke heißt es: „Herr, gib jedem seinen eignen Tod …“ Ich hoffe, daß wir etwas dazu beitragen können, daß Menschen in Würde und in der ihrem Wesen angemessenen Art den Schritt vom Diesseits ins Jenseits tun können.

Kontakt:
Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz e.V.
Am Weiherhof 23
D 52382 Niederzier
Tel. 02428 802937
Fax 02428 802892

: bag.hospiz@hospiz.net

.hospiz.net

Waltraud Grosse

Informationsquelle: http://www.gral.de/index.php?page=277


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