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Augenblicke zwischen Leben und Tod


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 Trauer um das Kind
Ahasveru Offline

Administration Forum
Beiträge: 6.581

24.10.2005 21:45
Glaubt ihr mir nicht, dass ich sie vermisse? antworten
„Glaubt ihr mir nicht, dass ich sie vermisse?“

Erfahrungen, Beobachtungen, Gedanken und Wünsche von Müttern
zusammengestellt von Ines Nowack

Stirbt ein Kind müssen Eltern ihren wohl schwersten Weg im Leben gehen, sie müssen sich trennen und damit umgehen lernen, dass sie das Wertvollste verloren haben. Jeder lebt diese Zeit sehr unterschiedlich, nach eigenen Traditionen, Überzeugungen und muss in verschiedenen Lebensumständen den eigenen Weg finden. Aber es gibt auch viele Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten. Das fanden trauernde Mütter, deren Erfahrungen und Beobachtungen noch sehr nah sind. Sie haben das, das was ihnen besonders wichtig ist, über dieser Zeit und über ihre Kinder zu sagen, zusammengetragen: Hilfreiches, Schmerzendes, Forderndes oder auch Fragendes...

Sie spüren auch der Frage nach, warum sie tiefe Verletzungen durch Menschen in ihrer Umgebung davon getragen haben, und der Frage, ob es anders ist, wenn das Kind, das sie verlässt, behindert ist...

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Abschied von einem besonderem Leben
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Nicht behindern, ernstnehmen
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Traurigkeit zulassen, sich Zeit nehmen
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Darüber sprechen, Zuhören
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Leben würdigen
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Besondere Kraft von Ritualen
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Erfahrungen mit Ritualen - Das hat geholfen:
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Hilfe in Krisen

Abschied von einem besonderem Leben

Jedes Leben ist besonders und einmalig, auch das unserer Kinder. Das Bedürfnis ist groß, es auch nach ihrem Tod ausdrücken zu können, sich in aller Liebe zu verabschieden. Wir sind und fühlen uns hier in Deutschland meist nicht gut vorbereitet. Die letzten Dinge, die zu tun sind, werden zu selten in aller Selbstverständlichkeit und so persönlich und würdevoll wie möglich gestaltet. Es gibt kaum individuellen Raum und meist zu wenig Zeit für wirklichen Abschied. Welch große Belastung, dann vielleicht noch zu entscheiden: Autopsie – ja oder nein?

Unsere Kinder haben Geschwister, Freunde, Schulkameraden, die auch gerne Abschied nehmen möchten. Von ihrer Offenheit können wir viel lernen. Ihre Wünsche zu respektieren und sie einzubeziehen, darf in dieser Zeit nicht vergessen werden..

Nicht behindern, ernstnehmen

Behindert uns nicht in unserer Trauer! Nehmt unsere Gefühle ernst! Wir sollen froh sein, dass „alles vorbei ist“, ihr glaubt es nicht, dass man „solche Kinder vermissen kann“, ihr denkt, wir haben die Situation nicht richtig verarbeitet? „Es ist doch besser so, es war doch eine Belastung!“, meint Ihr – Solche Worte treffen uns tief und trösten nicht! Warum versuchen so wenige zu verstehen, was unsere Kinder uns bedeuten? Warum müssen wir uns so oft rechtfertigen, dass wir sie geliebt und dass sie unser Leben reich gemacht haben, auch wenn sich das viele nicht so vorstellen können? Das ist diskriminierend für das Leben unserer Kinder und für uns.

Traurigkeit zulassen, Zeit nehmen

Wir sind nicht besonders geübt im Aushalten, Zulassen von Gefühlen und und in der Rücksicht vor ihnen, nicht vor den eigenen und nicht vor den Gefühlen der anderen - wir lenken uns lieber ab, schaffen, powern uns aus, und haben keine Zeit. Großen Empfindungen, wie Trauer und Schmerz, gehen wir gerne aus dem Weg...

Wir sollten sorgsamer mit uns umgehen: Erlauben wir uns, genauer hinzuschauen und zuzulassen, was wir brauchen, auch Tränen gehören dazu, Tränen um eine besondere, intensive Beziehung zwischen unseren behinderten Kindern und uns. Respektieren wir auch das, was andere brauchen, in Achtung vor dem Leben und seiner Unterschiedlichkeit. Jeder ist anders, und braucht die Zeit, die er braucht - auch in seiner Trauer.

Darüber sprechen, Zuhören

Lasst uns gemeinsam darüber reden: Wie es war, wie es ist, über unsere Sehnsucht, unsere Wünsche, auch über unsere Zweifel und zerrissenen Gefühle – Gespräche sind wichtig, wir brauchen sie. Sicher: es gehört Mut dazu, vielleicht auch etwas Falsches zu sagen - Schweigen aber verletzt und führt zum Rückzug!

Leben würdigen

Unsere Kinder haben viele Spuren in unserem Leben und unseren Herzen hinterlassen, sie haben „viele Brücken gebaut“. Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass man über sie und ihr Leben nicht mehr spricht, „das Thema meidet“ – sei es aus falscher Rücksicht, aus Angst oder aus Gedankenlosigkeit ... Man erlebt es dann so, als ob es ihr Leben nicht gegeben hätte oder schlimmer noch, dass es ihr Leben besser nicht hätte geben sollen. Auch ein wichtiger Teil unser eigenen Biografie wird damit verschwiegen, wird nicht erwähnenswert. Unsere Kinder gehören aber zu unserem Leben und wir sind stolz, dass sie da waren.

Besondere Kraft von Ritualen

Rituale werden heute oft belächelt, meist in aller Stille vollzogen. Aber es kann heilsam sein, Formen zu finden, in denen sich die eigene Trauer symbolisch ausdrücken kann: ein Bild oder Gegenstand in der Tasche, eine Kerze im Fenster Dieses Wissen ist uralt und lebt heute vor allem in der Kinderhospizbewegung wieder auf. Rituale sind auch Gelegenheit, sich zu treffen, und sich zu erinnern mit den Menschen, die unsere Kinder mochten, schätzten und liebten - Das sind schöne Erfahrungen und bleibende Erinnerungen.

Erfahrungen mit Ritualen - Das hat geholfen:

Wege gehen und Orte besuchen, die dem Kind wichtig waren, Dinge tun, die es gemocht hat, Grabrituale, einen Lebensbaum pflanzen und pflegen, Einladungen in Kindergarten und Schule, Kontakt halten zu Freunden, Feste für das Kind feiern, Betreuer des Kindes einladen, Lieblingsmusik gemeinsam hören, Gedenkgottesdienste, Erinnerungsbücher, Filme...

Hilfe in Krisen

Füreinander da sein im Freundeskreis, in der Familie, in Selbsthilfegruppen – im Leid kommen die Menschen näher zusammen, heißt es. Aber wie schnell wollen wir vergessen, weil es uns belastet, wie schnell gerät im Alltag die wirkliche Schwere der Situation aus dem Blick. Manchmal braucht man aber Hilfe, um Krisen zu erkennen und damit umzugehen, wenn Trauer übergroß wird und Auswege aus Einsamkeit und Depression sich nicht zeigen wollen, Man braucht vielleicht ein offenes Ohr, offene Augen oder eine offene Tür, eine Telefonnummer oder auch eine Adresse, sie halten den Rücken frei, bieten Gewissheit, dass immer jemand für einen da ist ...

Manches kann man nur im Gespräch mit Menschen loswerden, die aus eigener Erfahrung wirklich und anders verstehen. Gemeinsame Gespräche und Begegnungen mit ihnen tun gut und sind durch nichts anderes zu ersetzen. Genauso unersetzlich ist aber auch das Gefühl, dass man in Familie und Freundeskreis nicht der Traurigkeit aus dem Weg, sondern gemeinsam Wege sucht...

Informationsquelle: http://www.ricardas-homepage.de/Dorothee/Themen/verwaiste%20Eltern/2.htm

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